Investor Michael Tojner: „Es tut mir furchtbar leid“

Wirtschaft

Der Lack ist ab. Michael Tojner, einer der schillerndsten heimischen Industriellen und Deal-Maker, hat derzeit viel Pech. Wieder gibt es gravierende Probleme mit dem Batterie-Hersteller Varta, im Burgenland hat er nach wie vor die WKStA am Hals und sein Heumarkt-Projekt in Wien kommt auch nicht voran.

„Wir sind es gewohnt, vorausschauend, fundierte strategische Entscheidungen zu treffen und mit hohem persönlichen, unternehmerischen Engagement entsprechend zu handeln“, lautet Tojners Leitspruch als Gründer und CEO auf der Homepage seiner in der Schweiz domizilierten Holding Montana Tech Components mit 12.500 Mitarbeitern, 77 Standorten in 35 Ländern und 281 Millionen Euro Ebitda 2025.

Klingt gut, aber mit Voraussicht und einer fundierten Strategie hat es bei der deutschen Varta-Gruppe nicht viel auf sich. Deren Kleinaktionären ist noch in schlechter Erinnerung, wie sie 2024 enteignet wurden. Von den Anlegervertretern musste sich Tojner als Glücksritter beschimpfen lassen.

Der schwer angeschlagene und hoch verschuldete Batterie-Hersteller, den Tojner billig als Sanierungsfall erstand, wurde wie berichtet mit Hilfe des deutschen StaRUG (Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgestz) vor der Insolvenz gerettet, das Grundkapital auf Null heruntergesetzt. Die Aktien waren wertlos.

Nur Tojner konnte als Hälfte-Eigentümer an Bord bleiben und die Porsche AG stieg ein. Jetzt beschloss der wichtigste Kunde Apple, die Knopfzellen nicht mehr bei Varta zu kaufen, sondern in China. Damit verliert die Varta-Fabrik in Nördlingen ihre Geschäftsgrundlage, 350 Mitarbeiter sind direkt betroffen, auch in andern Standorten ist mit Anpassungen zu rechnen.

Varta hatte sich vom US-Technologiekonzern zu abhängig gemacht, ein Klumpenrisiko. Nachher ist man immer klüger, aber dass Europas teuer produzierende Industrie gegenüber China bei Batterien keine Chancen mehr hat, war absehbar. „Ja, ich hätte vorsichtiger sein können und das Risiko vielleicht etwas anders sehen“, sagt Tojner, der gerne auch seine volkswirtschaftliche Expertise herausstreicht, dazu im Gespräch mit dem KURIER.

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Einige Jahre lang gab es zweistellige Wachstumsraten und der Aktienkurs schoss auf 170 Euro hinauf. Doch als Aufsichtsratsvorsitzender hätte er bei Vorschlägen des Vorstandes, „eine Risikoanalyse einfordern müssen“. Tojner spricht von einem „schmerzlichen Rückschritt“ für Varta und bedauert, dass damit auch viele hoch qualifizierte Arbeitsplätze verloren gehen. „Es tut mir schrecklich leid“, gibt sich der sportliche 60-Jährige ungewohnt reumütig.

Er komme eben vom Venture Capital, „ich bin jemand, der etwas aufbaut und muss dynamischer rangehen als jemand, der einen Industriebetrieb geerbt hat und weiter entwickelt“.

„Eine Frage der Ehre“

Er selbst habe mit Varta ebenfalls genug Geld verloren. Wie viel, beziffert er nicht. Stimmt schon, Tojner investierte, verkaufte aber große Aktienpakete, seit 2021 um mehr als 143 Millionen Euro.

Den abkassierten Aktionären macht er jetzt allerdings Hoffnung. Sollte die Sanierung von Varta gelingen, „werde ich den Aktionären eine Möglichkeit zur Beteiligung anbieten“. Um sein angeschlagene Image bei den Anlegern aufzupolieren? „Das ist für mich eine Frage der Ehre“, beteuert Tojner. Die Aktionäre müssen sich aber noch etwas gedulden, die Sanierung würde schätzungsweise drei bis fünf Jahre dauern.

Viel lieber spricht er über Asta Energy, die er im Jänner an die Frankfurter Börse brachte. Mit dem Hersteller von Kupferbauteilen für die Energiewirtschaft, für Transformatoren, Generatoren und Rechenzentren, ist Tojner derzeit im Glück. Asta, eines der ältesten österreichischen Unternehmen, „hat viele Jahre nur Verluste gemacht …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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