Wiener Festwochen: Folgt auf den gebenden Blick nun der „Antichrist“-Milliardär?

Kultur

Es lohnt sich, wenn man einen Esoteriker auf die Bühne holt. Also, zumindest wenn man mal wieder drüber nachdenken will, was bei den Festwochen unter Milo Rau mehr ermüdet: Die fast schon beamtenhaft gesetzten Provokationszeichen. Oder die ebenso verbeamtete Empörung.

Das haben die entsprechenden Beteiligten auch vor der heurigen Eröffnung brav durchgespielt. Ein Esoteriker bei einem hoch subventionierten Kunstfestival, da findet jeder (und die FPÖ) eine Meinung dazu.

Aber es lohnte sich auch anderweitig. Braco hat seinen „gebenden Blick“ nicht nur über den Heldenplatz gleiten lassen, sondern auch über die Besucherzahlen der Eröffnung am Heldenplatz. 

50.000 waren erwartet worden, sogar 120.000 sollen es laut Festwochen dann gewesen sein. Damit hätte man fast zweieinhalb Mal so viele Besucher gehabt wie pro Tag bei Österreichs größtem Rockfestival, dem Nova Rock, sind. Da schauen auch wir!

ORF-Quote

Und eineinhalb Mal so viele, wie sich das Ganze im TV ansehen wollten. Die in das Spätprogramm verschobene ORF-Übertragung interessierte nur noch 88.000 Zuseher. Ein Trend: Zum 60-Jahr-Jubiläum 2011 sahen laut ORF-Zahlen noch 380.000 zu, 2024 waren es nur noch 118.000; 2025 finden sich keine Zahlen im ORF-Jahresbericht.

Vielleicht sollte Braco das nächste Mal auch im ORF zuschauen?

Die Eröffnung konnte ein Gefühl einer gewissen Lustlosigkeit nicht abschütteln. Die Popbands spielten zwei bis drei Nummern, und wer die mag – Cari Cari, Nnenda, Lara Hulo, Patti Smith – durfte sich daran erfreuen. Schwerer fiel das bei der Wien-Hymne zu Beginn und der Festwochen-Hymne zum Schluss; beides ausgelutschtes Agitprop-Zeug, nur halt ohne Handlungsaufruf. Berührende Momente gab es bei einem Appell ukrainischer Musikerinnen für Frieden; davor sendete man „Wir kennen uns aus“-Signale in Nischengruppen, etwa an die Black-Metal-Hörer und jene, die Bach als Technoversion mit Lederhose und Schuhplattler mögen.

  Maria Kalesnikava ist Eröffnungsrednerin der Salzburger Festspiele

Das Ganze war die Eröffnung der „Republic Of Gods“, so das Festivalmotto. Man suche Göttinnen, die einen und nicht spalten. Für diesen Zweck sind eine Band namens Witch Club Satan oder eine Punkikone, die unter den federführenden Israel-Boykott-Aufrufern ist, natürlich jeweils eine interessante Wahl; ebenso wie ein möglicher nächster Gast: Laut Standard könnte der „Antichrist“-fixierte Problemmilliardär Peter Thiel zu den Festwochen kommen, Idol jener Rechten, die das mit der Demokratie ein bisserl mühsam finden. Die Festwochen wollten das dem KURIER weder bestätigen noch dementieren: „Wir finden die Idee sehr reizvoll, aber aktuell ist keine Veranstaltung im Kalender eingetragen“, hieß es. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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