Enhanced Games: Warum das „Steroid-Olympia“ in Vegas so politisch ist

Politik

Den Moment, an dem er die zündende Idee hatte, erzählt Aron D’Souza gern wie eine Erleuchtungsszene. Ende 2022 habe er in einem Fitnessstudio in Miami einen auffallend muskulösen Mann angesprochen und gefragt, wie er es zu diesem Körper gebracht habe. Die Antwort: Steroide, verschrieben von einem Arzt. D’Souza lehnte das Angebot ab, sich den Kontakt geben zu lassen. Aber der Gedanke war geboren. Er wuchs zu einer Geschäftsidee heran, die D’Souza auf einer Neujahrsparty dem deutsch-amerikanischen Multimilliardär Peter Thiel präsentiert haben soll. Thiels Reaktion soll knapp gewesen sein: „Cool.“

Dank D’Souzas Überzeugungsarbeit und Thiels wohlhabenden Kontakten wurde aus dieser Idee nun Wirklichkeit: Im Resort „World“ in Las Vegas starten am Sonntag erstmals die „Enhanced Games“ – jene Wettkämpfe, die Kritiker längst nur noch „Steroid-Olympia“ nennen. Leistungssteigernde Substanzen sind hier nicht verboten, sondern ausdrücklich erlaubt. Die Athleten sollen Rekorde aufstellen, zu denen der menschliche Körper ohne Hilfsmittel wohl nicht fähig wäre.

Bisher gibt es nur drei Sportarten: Schwimmen, Sprinten und Gewichtheben. In den nächsten Jahren sollen weitere hinzukommen. Schon die Vorbereitung auf die Wettkämpfe findet unter medizinischer Aufsicht statt, wie die Veranstalter betonen. Erlaubt seien nur in den USA zugelassene Substanzen, keine harten Drogen. Trotzdem bleibt oft unklar, was genau die Athleten nehmen.

Der australische Schwimmer James Magnussen, Ex-Weltmeister und Olympionike, formulierte vorab unverblümt, er wolle sich „bis zu den Kiemen vollpumpen“, um den Weltrekord über 50 Meter Freistil zu brechen. Eine Million Dollar wurden dafür ausgelobt.

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Der britische Olympia-Schwimmer Ben Proud begründete seine Teilnahme damit, dass er „die Grenzen menschlicher Möglichkeiten ausloten“ wolle. Und der US-Sprinter Fred Kerley, der wohl prominenteste Athlet vor Ort, sagte zu, nachdem er jüngst wegen verpasster Dopingtests gesperrt worden war.

Der Widerstand der Sportwelt ist entsprechend heftig. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA warnt vor schweren Gesundheitsfolgen: Herzproblemen, Leberschäden, Hormonstörungen und starken psychischen Nebenwirkungen. Der Schwimmverband World Aquatics sprach von einem „Zirkus, gebaut auf Abkürzungen statt Fairness“. 

Der Chef der US-Anti-Doping-Agentur nannte das Projekt eine „gefährliche Clownshow“. Sie alle warnen vor den Dynamiken im Spitzensport: Was erlaubt ist, wird bald erwartet. Und was erwartet wird, wird zur Voraussetzung für Jungsportler.

Organisator Aron D’Souza hält dagegen – und zwar mit der Sprache der Freiheit: Athleten seien Erwachsene, sagt er, und bedient sich dafür ausgerechnet eines feministischen Slogans: „My body, my choice“. Kein Verband, keine Regierung, „keine paternalistische Bürokratie“ solle Sportlern vorschreiben, was sie mit ihrem Körper tun dürfen.

Das ist der Kern der Enhanced Games: Sie sind kein sportlicher Wettbewerb, sondern Teil jenes Kulturkampfes, der vor allem die USA seit Jahren spaltet. Auch D’Souza ist kein klassischer Sportfunktionär. Er ist Jurist, Unternehmer, ultralibertärer „Tech-Bro“.

Unterstützt wird er von Investoren, für die der optimierte Körper längst ein Zukunftsmarkt ist: Peter Thiel, Krypto-Unternehmer, der umstrittene deutsche Biotech-Investor Christian Angermayer. Altern gilt in dieser Welt als ein überwindbares Problem. Dopingmittel sind nicht Betrug, sondern eine Produktklasse mit schlechtem Image. Der Athlet wird zur Versuchsperson und zum Werbeträger zugleich. Nicht umsonst lassen sich auf der Webseite der Enhanced Games auch reihenweise Nahrungsergänzungsmittel kaufen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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