Kommt jetzt auch in Schweden der erste Lockdown?

Politik

Abkehr vom Sonderweg: Aus Furcht vor Infektionswelle durch Mutanten stellt Gesundheitsministerin Sperren in Aussicht.

„Es kann notwendig sein, Teile Schwedens abzuriegeln“, sagte Gesundheitsministerin Lena Hallengren mit ernster Mine am Mittwoch. Die Sozialdemokratin begründet den Schritt mit einem fehlenden Rückgang der Infektionszahlen und der Furcht vor der „Dritten Welle“. Hintergrund: In Schweden ist es zu lokalen Ausbrüchen mit der aus Großbritannien stammenden Mutante B.1.1.7. gekommen – in der Region Gävleborg nördlich von Stockholm etwa ist jede fünfte Infektionsprobe darauf zurückzuführen. Kommt es nun zum ersten Lockdown in Schweden, das ja bisher einen Sonderweg beschritt?

Selbst im vergangenen Frühjahr waren in dem nordischen Land keine Sperren verhängt worden, auch im Winter gab es bisher viel weniger Restriktionen als in anderen Staaten. Doch nun könnte nach den Worten der Gesundheitsministerin alles anders werden.

Aus für Bars und Shops

Gemeinsam mit der Sport- und Kulturministerin Armanda Lind zählte Hallengren einige Bereiche auf: Restaurants, Geschäfte sowie Sportstätten, Museen oder Zoos könnten geschlossen werden – auf regionaler wie auf nationaler Ebene. Das „Wann“ ließen die beiden Ministerinnen offen.

Derzeit freilich bewegen sich die Infektionsraten noch auf gleichbleibendem Niveau: Am Mittwoch wurden 4.233 neue Fälle gemeldet, das sind weit weniger als Ende Dezember, als mehr als 10.000 Neuinfektionen verzeichnet worden waren. Insgesamt haben sich in Schweden bisher rund 622.000 Personen infiziert.

Als besorgniserregend gilt aber, dass die Sieben-Tage-Inzidenz mit 196 Fällen auf 100.000 Einwohner im oberen Drittel der EU-Staaten liegt – der Wert für Österreich: Knapp über 100. Auch die Zahl der Covid-19-Toten ist mit insgesamt 12.569 für ein Land mit zehn Millionen Bürgern sehr hoch.

  Trump holt zu neuem Schlag aus

EPA/Henrik Montgomery

Die schwedische Gesundheitsministerin Lena Hallengren

Als Wendepunkt der schwedischen Krisenpolitik gilt das im Jänner erlassene Pandemiegesetz. Mit diesem kann die Regierung den gesamten Zug-, Bus- und Flugverkehr im Land begrenzen sowie ganz einstellen. Auch die am Mittwoch angedachten Maßnahmen wären im Rahmen dieser Gesetzesnovelle möglich.

Zugleich aber lässt die schwedische Krisenpolitik dem Einzelnen sowie Lokalpolitiker weiterhin reichlich Entscheidungsfreiheit. So sind Masken zwar in öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen, jedoch nur zu Stoßzeiten.

Vertrauen sinkt

Die bürgerlichen Parteien fordern von der rot-grünen Minderheitsregierung jedenfalls mehr Restriktionen. Und das Vertrauen der Bevölkerung in die Gesundheitspolitik ist dramatisch gesunken – Ende Dezember 2020 lag es bei nur 47 Prozent, Ende Oktober waren noch 71 Prozent hinter den Entscheidungen der Behörden gestanden.

…read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 2 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.