
Die Pädagogische Hochschule Niederösterreich mit Sitz in Baden kommt nicht zur Ruhe: Am Donnerstag gab das Bildungsministerium bekannt, dass der Oberösterreicher Bernd Langensteiner zum neuen Rektor bestellt wird.
Das Amt war vakant geworden, nachdem das Ministerium im Oktober 2025 den seit 2007 amtierenden Rektor Erwin Rauscher aufgrund des Vorwurfs der Pflichtverletzung abberufen wurde. Strafrechtliche Ermittlungen wurden damals rasch wieder eingestellt, die Gegenklage Rauschers mit einem (noch nicht rechtswirksamen) Vergleich beendet. Hier nachzulesen.
Das Ministerium hat in einer Pressemeldung zur Bestellung Langensteiners, der noch nie in einem Rektorat beschäftigt war, erklärt: „Er bringt langjährige Erfahrungen in unterschiedlichen Funktionen des Bildungssystems und ein dialogorientiertes Leitungsverständnis mit.“ Er war zuletzt Abteilungsleiter der Bildungsregion Wels-Grieskirchen-Eferding in der Bildungsdirektion Oberösterreich. Daneben absolvierte er den Hochschullehrgang Schulmanagement (MEd) und wirkte in bundesweiten Entwicklungsgremien des Bildungsministeriums mit.
In hohem Maß verwundert über die Bestellung ist der ehemalige Vorsitzende des Hochschulrates, der in London tätige Bildungswissenschaftler Norbert Pachler. Denn die Ausschreibung der Rektorsfunktion und die Durchführung des Auswahlverfahrens samt einer Reihung, wer am besten geeignet ist, obliegen laut dem Hochschulgesetz dem Hochschulrat.
„Wir haben den Prozess äußerst penibel durchgeführt und haben sehr viel Zeit investiert, begründete Argumente abzugeben, warum wir eine Kandidatin vor allen anderen reihen und welche Kandidaten wir für würdig halten. Wir haben ganz genau darauf hingewiesen, was die Stärken der einen Person gegenüber der anderen war“, sagt Pachler zum KURIER. „Herr Langensteiner war nicht der Erstgereihte, er war unter den ersten Drei“, erklärt Pachler.
Die Entscheidung obliegt am Ende immer dem Bildungsminister. „Wir wissen, wie der Prozess abläuft – wir geben eine Empfehlung ab, letztlich entscheidet der Minister. Also das Vorgehen ist grundsätzlich korrekt“, erklärt der am University College London tätige Forscher. „Nur mich wundert es sehr, dass man uns, den Hochschulrat, beauftragt, diesen Prozess durchzuführen, aber das Ministerium in keiner Weise danach mit uns oder mit mir darüber gesprochen hat. Ich wurde ersucht, alle Materialien der Bewerbung ans Ministerium zu schicken, zusätzlich zu dem Bericht mit der Reihung. Es muss also ein zweites Verfahren innerhalb des Hauses gegeben haben, aber eben unabhängig von unserem Gremium, das ja vom Gesetz her vorgesehen ist, diese Beurteilung durchzuführen.“
Vollendung der „Checkliste einer Intrige“?
Dann spricht Pachler aber den Elefanten im Raum an: „Wir kennen aber auch das Dokument, das anonym verfasst wurde, wonach ein Kandidat, nämlich jener, der jetzt bestellt wird, von einem kleinen Kreis im Ministerium forciert wurde. Die Entscheidung spiegelt das Dokument wieder.“ Siehe Artikel hier
Pachler meint damit die „Checkliste einer Hochschul-Intrige“, wo ein anonym zugesandtes Dossier zeigt, wie eine Gruppe von Gewerkschaftern und Ministerialbeamten einen Skandal um den ehemaligen Rektor inszeniert haben soll – um selbst die Führung zu übernehmen. Der KURIER berichtete darüber ausführlich. Die „Checkliste einer Hochschul-Intrige“ wurde mit der Bestellung Langensteiners de facto im Sinne des Autors oder der Autoren erfüllt.
„Konfliktlösungspotenzial“
Gegenüber dem KURIER ergänzt das Ministerium zur Bestellung: „Grundsätzlich sind alle drei bestgereihten Kandidat:innen fachlich geeignet, eine Pädagogische Hochschule zu leiten(..). In Hinblick auf die spezielle Vorgeschichte der PH Niederösterreich und die tiefgehende Konfliktsituation, in der sie sich befindet, musste ausgehend vom Gutachten des Hochschulrates eine tiefergehende Bewertung der Konfliktlösungskompetenz …read more
Source:: Kurier.at – Politik



