Spanien: Verzweifelter Frust der Jungen entlädt sich auf der Straße

Politik

Die Verhaftung des Rappers Hasel war nur der Zündfunke für die nicht enden wollenden Proteste, vor allem in Barcelona

Mistkübel, Pflastersteine, oder TV-Geräte aus den Geschäften, die gerade geplündert worden waren. Die Demonstranten vor dem Polizeihauptquartier in Barcelona schleuderten alles, was sie gerade in Hände bekamen, auf die schwer bewaffneten Einheiten der Sicherheitskräfte, die Sonntag Abend das Gebäude verteidigten. Es war die sechste Nacht in Folge, in der im Zentrum der katalanischen Hauptstadt Proteste gewaltsam eskalierten. Und so wild durcheinandergewürfelt wie die Wurfgeschosse, waren auch diesmal die Parolen, die die Jugendlichen brüllten, oder auf ihre Transparente geschrieben hatten.

Parolen der Separatisten

Da gab es die bekannten Parolen der Separatisten in Katalonien: „Freiheit“, „Unabhängigkeit“ und natürlich „Freiheit für die politischen Gefangenen“, also jener katalanischen Politiker, die bis heute in Haft sind, weil sie 2017 ein illegales Referendum in Katalonien über die Unabhängigkeit von Spanien organisierten. Dazu schwenken viele die illegale Flagge Kataloniens, die „Estelada“.

APA/AFP/PAU BARRENAIhr Diebe, ihr Mafiosi!“

Doch um diese Unabhängigkeit kümmern sich andere Teilnehmer der Proteste gar nicht. Sie skandieren Parolen wie „Diebe“ oder „Mafiosi“, also genau die Worte, die der spanische Rapper Hasel benützt hatte, und die vor einer Woche zu seiner Verhaftung geführt hatten. Was also hatte Hasél gemacht? Der Rapper hatte 2016 Altkönig Juan Carlos, der sich inzwischen nach Abu Dhabi abgesetzt hat, einen „Dieb“ und „Mafioso“ genannt. Juan Carlos, der einstige Held der Spanier, ist in zahlreiche Korruptionsaffären verstrickt und musste ja deshalb das Land verlassen.

Das „Knebelgesetz“

 In dem Song und auch auf Twitter ließ und lässt Hasel nicht nur seine Wut über den König ab, sondern auch seinen Gewaltfantasien freien Lauf. Doch in Spanien gibt es ein von der ehemaligen konservativen Regierung vor fünf Jahren erlassenes Gesetz, das verbale Gewaltverherrlichung, aber auch Beleidigung staatlicher Autoritäten – etwa den König –  unter Strafe stellt. Künstler, Musiker, oder politische Aktivisten, sie alle sind schon unter dem Titel dieses Gesetzes bestraft, oder eben sogar ins Gefängnis gesteckt worden. Offiziell heißt es „Gesetz zum Schutz der Bürger“, auf der Straße, vor allem unter Jugendlichen nennt man es aber das „Knebelgesetz“.

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„Niemals den Mund halten“

Auch der Rapper wurde mit diesem Gesetz zu einer Haftstrafe verurteilt. Allerdings weigerte sich der Katalane, die Strafe anzutreten, und verbarrikadierte sich tagelang in der Universität seiner Heimatstadt Lleida. Als er am vergangenen Dienstag von Polizisten schließlich abgeführt wurde, rief er mit erhobener Faust: „Wir werden niemals den Mund halten!“ 

 

  

REUTERS/STRINGER

Hasel bei seiner Verhaftung

 

 

Die Aufnahmen von Hasels Festnahme verbreiteten sich viral in den Sozialen Medien. Die erhobene Faust und die Ankündigung, den Mund nicht halten zu wollen, wurden zum Motor einer Protestbewegung, die innerhalb von Stunden  in Städten in ganz Spanien hochkochte. Um Meinungsfreiheit ging und geht es dabei nur zum Teil. Was die meist jugendlichen Demonstranten auf die Straße treibt und oft alles zerstören lässt, was ihnen zwischen die Finger kommt, ist grundlegende Frustration und Verzweiflung.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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