Susanna Haas: „Niemand sagt mehr Kindergartentante“

Politik

Warum im Kindergarten erzogen und gebildet wird und manchmal auch im Kleinen gedacht werden muss. 

KURIER: Die Dreierkoalition will die Kindergartenplätze ausbauen – vor allem am Land, weil es dort zu wenige gibt. Warum gibt es die flächendeckende Betreuung nicht?

Susanna Haas: Es gibt die 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die wichtig ist, weil ja nicht der Bund für die Kindergärten zuständig ist, sondern die Länder. Das ist im Föderalismus so geregelt – ob man das jetzt gut findet oder nicht. 

Finden Sie es gut?

Ich persönlich verstehe, warum es manchmal notwendig ist, auch im Kleinen zu denken. Aus Sicht des Kindes  und auch aus Sicht einer Elementarpädagogin verstehe ich nicht, warum es neun Gesetze gibt und neun verschiedene Fördersysteme und sogar die Bildungspläne sich je Bundesland von einander unterscheiden. 

Das Bild des Kindergartens hat sich geändert hin zu einem Bildungsgarten, der von Elementarpädaoginnen geführt wird. Was ist so elementar?

So viel wie in den ersten Lebensjahren passiert im Leben nie wieder. Es ist nicht nur das Elternhaus prägend, sondern auch der Kindergarten. Manchmal hören wir: „Im Kindergarten, da wird eh nur gespielt“. Aber das Spiel ist die Lernform des Kindes, dadurch beginnen sie sich die Welt anzueignen. Auch durch das Nachahmen von anderen Kindern oder Erwachsenen. Vielleicht haben Sie schon beobachtet, dass sich Kleinkinder einen Baustein zwischen Ohr und Schulter klemmen und so herumgehen. 

Nein. Warum tun sie das?

Weil sie sich das von den Eltern abgeschaut haben, die telefonierend Arbeit verrichten und dabei das Handy eingeklemmt halten. Oder ein Kind, das ständig die Flasche vom Hochstuhl schmeißt, lernt, dass es Lärm macht, dass es lustig ist, dass es immer wieder aufgehoben wird und – es lernt, was Physik ist. 

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Warum ist das von der Politik propagierte zweite Kindergartenjahr so relevant? Würde man erkennen, dass ein Kind keinen Kindergarten besucht hat?

Man kann es an Kindern erkennen, wenn sie bestimmte Aufgaben zu erledigen haben oder beim Eintritt in die Schule. Das Ziel des Kindergartens ist, Selbstwirksamkeit und emotionale Kompetenz zu fördern. Es geht auch um Frustrationstoleranz oder dass ich mich mit gleichaltrigen Kindern auseinandersetze, was ich zu Hause nicht tun würde, es sei denn, ich bin ein Zwillings- oder Drillingskind. Für Kinder aus bildungsfernen Schichten ist das zweite Kindergartenjahr enorm wichtig. 

Wie definieren Sie bildungsfern?

Dass Eltern sich nicht bewusst sind, weil sie es selbst nicht erfahren oder gelernt haben, dass Kinder Anregungen im Alltag brauchen. Dass ich zum Beispiel bewusst einen Ausflug mit dem Kind mache, ein Bilderbuch vorlese und weiß, dass ein Handy kein adäquates Spielzeug für Kinder ist.  Gerade  Kleinkinder sind mit den Reizen der digitalen Medien überfordert. 

Wir haben das Problem, dass viele Kinder zu Hause kein Deutsch sprechen, weil die Muttersprache der Eltern eine andere ist. Ist Deutsch zu lernen Aufgabe des Kindergartens?

Sprache zu erlernen – das ist eine Schlüsselkompetenz, die ein Kind erwerben muss in den ersten Lebensjahren. Ich rede aber immer von der Mehrsprachigkeit des Kindes. Ein Kind, dessen Erstsprache nicht deutsch ist, weil es in einem anderen Land geboren wurde oder zu Hause nicht deutsch gesprochen wird, lernt Deutsch im Kindergarten. Im besten Fall erlebt …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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