
Felix Gall ist ein durch und durch bemerkenswerter Radfahrer. Das fängt schon damit an, wie er im Sattel sitzt: Niemand dreht beim Treten die Knie so weit nach außen wie der Osttiroler. Und das ist beileibe nicht seine einzige Besonderheit.
So hat Felix Gall in den letzten Jahren eine gewisse Hassliebe zu den Ruhetagen entwickelt.
Einerseits schätzt er es natürlich, wenn er sich nicht abstrampeln muss und seinem Körper bei einer dreiwöchigen Rundfahrt einmal eine Schaffenspause gönnen kann.
Andererseits zeigt die Vergangenheit, dass gerade Felix Gall nach Ruhetagen Anlaufschwierigkeiten hat und Zeit braucht, um wieder voll auf Touren zu kommen.
Harter Ruhetag
Deshalb wählte der 28-Jährige nun beim Giro d’Italia einen ganz anderen Weg und legte am Montag nicht die Beine hoch – sondern eine kurze, intensive Einheit auf dem Rad ein. „Ich bin einige Intervalle gefahren, das war sicher bisher mein härtester Ruhetag“, erklärte Felix Gall.
Solo für Vingegaard
Und mit dieser Strategie ist der Österreicher am Dienstag nicht so schlecht gefahren. Denn bei der anspruchsvollen Bergetappe durch die Schweiz von Bellinzona nach Cari drehte Felix Gall wieder so richtig auf und kam als Zweiter ins Ziel – bereits zum dritten Mal bei dieser Italien-Rundfahrt.
Der verdiente Lohn: In der Gesamtwertung zog der Osttiroler am Portugiesen Afonso Eulalio vorbei und ist inzwischen hinter Jonas Vingegaard bereits Zweiter. So gut war noch nie ein Österreicher im Rahmen einer Grand-Tour. Der Wiener Adolf Christian hatte 1957 die Tour de France als Gesamt-Dritter beendet.
Mutiger Schlussangriff
Der Schlussanstieg nach Cari war ein Kraftakt. Mit jeder steilen Serpentine wurde die Spitzengruppe kleiner, Felix Gall war 7,5 Kilometer vor dem Ziel schon auf sich allein gestellt, weil Teamkollege und Edelhelfer Gregor Mühlberger das hohe Tempo nicht mehr mitgehen konnte.
Lob für Sieger Vingegaard
6,6 vor dem Ziel attackierte Leader Jonas Vingegaard und zog wie schon bei den letzten Bergetappen solo zu seinem vierten Etappensieg davon. Der Däne ist mit Abstand der stärkste Fahrer bei diesem Giro d’Italia und wird wohl das Rosa Trikot am Sonntag nach Rom bringen. Auch Felix Gall musste sich eingestehen: „Jonas ist einfach der Beste.“
Felix Gall selbst ging am Dienstag an die Schmerzgrenze und quälte sich in einer kleinen Gruppe mit allen direkten Gegnern den Anstieg nach oben. Auf den letzten 200 Metern setzte er gekonnt eine Attacke und sicherte sich so auf reife und mutige Weise Rang zwei und wertvolle Bonussekunden.
Source:: Kurier.at – Sport



