
Im Stil einer TV-Debatte haben die sechs Kandidaten für die Nachfolge von UNO-Generalsekretär António Guterres ihre Ambitionen auf den prestigeträchtigsten Posten der diplomatischen Weltbühne unterstrichen. Die Anwärter beantworteten in der UNO-Generalversammlung Fragen zu den größten Herausforderungen der Vereinten Nationen, darunter die Blockade des Sicherheitsrats, Finanzprobleme und die wachsende Zahl internationaler Krisen.
Für Gesprächsstoff bei der UNO sorgte in dieser Woche aber vor allem ein unbestätigter Bericht über eine mögliche Kandidatur von FIFA-Präsident Gianni Infantino.
Als Kandidaten nominiert sind bisher
der argentinische Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi
Senegals Ex-Präsident Macky Sall,
die costa-ricanische Diplomatin Rebeca Grynspan,
Guyanas UN-Botschafterin Carolyn Rodrigues Birkett,
Chiles erste Präsidentin Michelle Bachelet sowie
María Fernanda Espinosa, die ehemalige Präsidentin der UNO-Generalversammlung aus Ecuador.
Einen klaren Favoriten sieht das Gros der Experten bisher nicht. Weitere Kandidaten können zudem jederzeit hinzustoßen.
Infantino kaum denkbar
In einem Bericht des US-Boulevardblatts „New York Post“ hieß es diese Woche, US-Präsident Donald Trump könnte den Präsidenten des Fussballweltverbands, Gianni Infantino, ins Rennen schicken, zu dem er beste Beziehungen pflegt. „Infantinos Name taucht schon seit einiger Zeit in Diskussionen über mögliche Außenseiterkandidaten für das Amt des UNO-Generalsekretärs auf – allerdings häufig eher ironisch als ernsthaft“, sagte der UNO-Experte Richard Gowan.
Selbst wenn der Schweizer von den USA nominiert werden sollte, hat Gowan Zweifel daran, dass er als Kandidat bestehen könnte: „Er wird inzwischen so eng mit dem US-Präsidenten in Verbindung gebracht, dass insbesondere China und Russland seine Unparteilichkeit infrage stellen würden.“
Über die Personalie entscheidet zunächst der Sicherheitsrat als mächtigstes UNO-Gremium. Dessen ständige Mitglieder China, USA, Russland, Frankreich und Großbritannien haben wie auch bei den sonstigen Abstimmungen ein Vetorecht und können Kandidaten per Einspruch verhindern. Sollte es nicht dazu kommen, muss die UNO-Generalversammlung den Kandidaten dann bestätigen, was üblicherweise als Formsache gilt.
Der Portugiese Guterres scheidet zum Jahresende aus dem Amt und kann nach zwei Amtszeiten kein weiteres Mal kandidieren. Ende des Monats will der Sicherheitsrat erstmals zu einer geheimen Probeabstimmung zusammenkommen.
Source:: Kurier.at – Politik



