
Postenschacher, Sexismus, Freunderlwirtschaft: Das Gesprächsprotokoll einer Tonaufnahme, aus dem Profil und Kronenzeitung seit Freitag zitieren, bringt den Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck (ÖVP) massiv unter Druck. Einige der Vorwürfe waren schon bekannt, doch insbesondere Rucks Tonalität sorgt für große Entrüstung.
Dieser spricht etwa offen darüber, wie viel Einfluss er auf Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat – sei es bei Postenvergaben oder wenn es darum gehe, dass die Adresse der WK Wien nicht nach der jüdischen Frauenrechtlerin Anitta Müller-Cohen benannt wird: „Michi, ich liebe jüdische Frauenrechte. Aber das kann keiner buchstabieren.“
Gleichzeitig wird Rucks schwieriges Verhältnis zur eigenen Partei deutlich. Die Kammer sei nicht interessiert an einem ÖVP-Bürgermeister: „Wenn die ÖVP ein bisschen zu keck wird, dann kommt der Wirtschaftskammerpräsident, macht zweimal Wumm, und es ist Ruhe.“
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), die Wiener ÖVP und WKO-Präsidentin Martha Schultz haben sich klar von Rucks Aussagen distanziert, ihn teils zum Rücktritt aufgefordert. Doch ausgerechnet Ludwig stärkte Ruck am Dienstag den Rücken: Er kenne diesen „anders“, habe weiterhin zu ihm Kontakt und glaube nicht an einen Rücktritt. Mehrmals hebt Ludwig zudem die gute Zusammenarbeit hervor. Warum stellt er sich so klar hinter seinen Freund? Was sagt die restliche SPÖ dazu? Fragen und Antworten.
Wie mächtig ist Ruck?
Zum Wiener Wirtschaftsbund: Obwohl bereits Postenschacher-Vorwürfe publik waren, wählten im Mai erneut 121 von 122 Wiener Funktionären Ruck zum Obmann. Auch Wiens Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits stellte sich kürzlich klar hinter Ruck, obwohl er dieser befohlen haben soll, bei der Wien-Wahl nicht mehr zu kandidieren – damit sein Sohn einen guten Listenplatz erhält. Und in der Kammer?
Hier wird es kompliziert: Bei der letzten Wirtschaftskammer-Wahl wählten in Wien bei Weitem nicht 50,2 Prozent den Wirtschaftsbund, dennoch hat dieser bei den Mandataren eine knappe absolute Mehrheit. Hintergrund: Der Wirtschaftsbund soll mit dem Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV) auf gemeinsamen Listen angetreten sein, was Ruck zum Ärger des SWV Wien dementierte. Im Nachhinein wurden all diese Stimmen dem Wirtschaftsbund zugerechnet – dem SWV fehlen damit jährlich 200.000 Euro Fraktionsförderung.
Warum stärkt Ludwig Ruck, während die ÖVP dessen Rücktritt fordert?
Der Wiener Wirtschaftskammerpräsident ist traditionell enger mit dem Bürgermeister verbandelt als mit dem ÖVP-Chef. „Das sind ja Zweckfreundschaften“, beschrieb es der ehemalige Wiener ÖVP-Chef Bernhard Görg in der ZiB 2. Kammerpräsident und Bürgermeister würden von gemeinsamen Bildern und Auftritten profitieren – und die „vermutete Wirtschaftskompetenz“ des Kammerpräsidenten auf den Bürgermeister abstrahlen. Ludwigs Nibelungentreue überrascht und verärgert dennoch viele in der SPÖ.
Wie beurteilen die SPÖ-Frauen Michael Ludwigs Aussagen?
In seinem Statement am Dienstag ging Ludwig auf Rucks sexistische Aussagen nicht ein. Was sagt hierzu Frauenministerin und SPÖ-Frauenchefin Eva-Maria Holzleitner? „Das Konzept von ‚exklusiven Herrenrunden‘ zeugt von einem verstaubten Politikverständnis, das im Jahr 2026 nichts mehr zu suchen hat. Gleichstellung ist Pflicht und Personen des öffentlichen Lebens tragen dabei eine besondere Verantwortung. Verhandlungen, Debatten müssen auf Augenhöhe geführt werden. Alles andere ist frauenfeindlich und demokratiegefährdend“, so Holzleitner auf KURIER-Nachfrage.
Wie kommentiert SPÖ- Chef Andreas Babler die Causa und Ludwigs Aussagen?
Gar nicht – auch nicht auf Nachfrage. Babler will wohl verhindern, dass die Bundes-SPÖ mit dem Fall Ruck assoziiert wird, was angesichts der engen Verflechtungen mit der …read more
Source:: Kurier.at – Politik



