Wie Ex-Minister Mückstein selbst Drohbriefe und Polizeischutz erlebte

Politik

Mückstein spricht in seinem ersten Interview nach seinem Rücktritt als Gesundheitsminister über den Fall Kellermayr und seine eigenen Erfahrungen mit Hassbotschaften.

Vor rund vier Monaten ist Wolfgang Mückstein als Gesundheitsminister (Grüne) zurückgetreten – jetzt meldet er sich erstmals wieder zu Wort – er gab dem Nachrichtenmagazin profil ein Interview. Anlass ist der tragische Tod der oberösterreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr. 

Der Suizid der Kollegin – Mückstein ist selbst Allgemeinmediziner – wühlt auf, sagt er im profil-Interview. Das zeige, wie sich ein kleiner Teil in der Gesellschaft in der Pandemie radikalisiert habe. Er selbst habe im ersten Jahr der Pandemie noch praktiziert, die Stimmung in den Wartezimmern sei immer aggressiver geworden. 

Anonyme Drohungen

In dem Zusammenhang kritisiert er, dass „in unserer Gesellschaft noch immer das Bewusstsein fehlt, dass anonyme Drohungen genauso große Ängste auslösen können wie direkte Beschimpfungen oder Drohungen auf der Straße“. Man dürfe das nicht als reines „Dampfablassen“ bagatellisieren. „Das machen Menschen, die mit einem Galgen vor dem Festspielhaus aufmarschieren“, sagt Mückstein. 

Auf die Frage, ob dieses von ihm erwähnte „fehlende Bewusstsein“ auch die Behörden impliziere, sagt Mückstein „Ich meine schon.“ Anonyme Drohungen müssten ähnlich ernst genommen werden wie konkrete von Angesicht zu Angesicht. „Es hätte wohl schon eine präventive Wirkung, wenn es mehr Verurteilungen gäbe.“

Brief: „Wir haben Sie nicht vergessen!“

Im Herbst will Mückstein in seine Ordination zurückkehren, auf Securities verzichtet er. Er sei jetzt „nicht mehr so interessant“, sagt Mückstein. „Der Hass tröpfelt nur noch rein.“

Der Ex-Minister bekommt aber immer noch Zuschriften. In einer etwa sei gestanden: „Wir haben Sie nicht vergessen!“ In seiner Zeit als Minister wurde er in Zuschriften mit Auschwitz-Arzt Mengele verglichen, oder ihm „sieben Spritzen in den Schädel“ gewünscht.

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Mückstein berichtet auch von einer konkreten Drohung: So habe ihm jemand geschrieben, dass er, wenn er eine Maßnahme bis zu einem bestimmten Datum nicht zurücknehme, „schappen wir uns Ihre Töchter“. 

Nach Anzeigen „nichts mehr gehört“

Vier Monate lang stand der Minister damals unter Polizeischutz, wurde untertags von zwei Polizisten und in der Nacht von einem beschützt. Polizisten seien auch vor dem Haus seiner Töchter gestanden.

Was die Behörden gegen die Drohungen unternommen haben? In zwölf Fällen sei er gefragt worden, ob er einer Strafverfolgung zustimmt, in der Regel habe er auch zugestimmt, erzählt Mückstein. In zwei Fällen sei er über die Einstellung des Verfahrens informiert worden, „von den restlichen Fällen habe ich nichts mehr gehört“. Auch nicht in dem Fall, in dem es eine persönliche Drohung gegen ihn und seine Familie gab. 

Restunsicherheit bleibt

Mückstein schildert im profil-Interview auch, wie es ihm persönlich mit dem anonymen Hass gegangen ist: „Wenn du schutzsichere Westen anprobierst, die dann immer mitgeführt werden im Auto, das macht etwas mit dir. Man reduziert die sozialen Kontakte, geht seltener einfach so mit Freunden ins Gasthaus, weil das Bedrohungsszenario da ist. Letztlich kann man nicht einschätzen, wie groß diese Bedrohung wirklich ist, selbst wenn man – wie ich damals – auf die Experten des Staatsschutzes vertrauen konnte. Dieser Restunsicherheit, ob der eigenen Familie etwas passiert, das war für mich ein zu hoher Preis.“

Auf die Frage, ob das der Hauptgrund für seinen Rückzug war, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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