Safety last: Als die Formel 1 noch lebensgefährlich war

Sport

Früher war die Formel 1 lebensgefährlich. In den 60er-Jahren verunglückten zehn Fahrer tödlich, in den 70er-Jahren neun. In anderen Rennklassen waren die Opferzahlen zum Teil noch höher.

Besonders gefährlich war der Kurs im belgischen Spa-Francorchamps. Die Rennstrecke war ursprünglich 14 Kilometer lang und führte großteils über öffentliche Landstraßen. Auch das oft regnerische Wetter in den Ardennen machte es tricky: Nicht selten war die Fahrbahn beim Start trocken, während es auf anderen Streckenabschnitten schüttete.

Endstation Bauernhaus

Extrem waren die Verhältnisse am 12. Juni vor 60 Jahren: Damals geriet das Feld in der ersten Runde in einen dermaßen heftigen Schauer, dass sieben Rennwagen von der Strecke gespült wurden. Am Ende sollten nur fünf Autos in die Wertung kommen. (Bei dem Rennen wurden übrigens Szenen für den Hollywoodfilm „Grand Prix“ gedreht.)

Der Schwede Joakim Bonnier knallte mit seinem Boliden durch das Fenster eines Bauernhauses, es gab zum Glück keine Verletzten. Der damals 27-jährige Schotte Jackie Stewart verlor mit seinem BRM in einer S-Kurve die Bodenhaftung, mähte einen Telegrafenmasten nieder und schlitterte in einen Graben.

Stewart hatte ein paar Knochenbrüche erlitten, vor allem aber panische Angst vor dem damals so gefürchteten Feuertod: Die Tanks waren geplatzt, 30 Gallonen Sprit hatten sich über den im Cockpit eingeklemmten Fahrer ergossen. „Es hätte jederzeit zu brennen anfangen können“, erinnerte er sich später. Streckenposten waren keine in der Nähe, aber Stewarts Kollegen Graham Hill und Bob Bondurant, die in derselben Kurve ins Schleudern geraten waren, eilten zur Hilfe. Mit einem Schraubenschlüssel, den sie sich von einem Zuschauer ausgeborgt hatten, montierten sie das Lenkrad ab und zogen Stewart aus dem Auto. Das Rennen ging inzwischen natürlich weiter, „Safety-Car“ war noch ein Fremdwort, und der Krankenwagen ließ lange auf sich warten.

  Erfolgslauf bei den French Open: Warum ist Italiens Tennis so gut?

„Das System ist falsch“

„Dieser Unfall war ein Markstein in Stewarts Karriere“, schrieb der legendäre KURIER-Motorsportexperte Helmut Zwickl in einem Buch. „Der Schlüsselbeinbruch heilte schneller als die Erinnerung.“ Stewart hatte erkannt, dass es so nicht weitergehen kann („Das System ist falsch“) und wurde inoffizieller Sicherheitssprecher der Formel 1.

„Ich möchte, falls mir einmal ein Unfall zustößt, gewisse Überlebenschancen vorfinden“, sagte er. Seine erste Forderung: ein Schraubenschlüssel in jedem Cockpit, damit das Lenkrad gegebenenfalls rasch abmontiert werden kann.

Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, unter welchen Bedingungen damals Rennen gefahren wurden. Sicherheitsgurte etwa waren erst 1969 Vorschrift, deformierbare Tanks kamen 1973. Letztere sollten verhindern, dass die Autos Feuer fingen, was aber auch nicht immer funktionierte (siehe etwa Niki Laudas Unfall 1976). Leitplanken waren keine Selbstverständlichkeit, Strohballen mussten meist reichen.

1969 wurde das Rennen in Spa, nach Protesten der Fahrergewerkschaft GPDA, abgesagt; die Veranstalter entschärften die Strecke daraufhin durch Leitplanken und eine Schikane, und das Rennen fand 1970 wieder statt. Als der Grand Prix von Belgien 1973 nach Zolder übersiedelte, war der Straßenbelag so schlecht, dass erneut ein Boykott im Raum stand. Niki Lauda, damals ein junger Wilder, meinte: „Als GPDA-Mitglied plädiere ich für eine Absage. Als Lauda würde ich starten.“

Sicherheit in der Formel 1

1952
Das Tragen eines Sturzhelms wird Pflicht.

1959
Der Überrollbügel wird vorgeschrieben.

1969
Einführung der Gurtenpflicht in der Formel 1.

1974 
Fangzäune sind Pflicht.

1975
Kopfstützen an der Rückwand des Cockpits werden eingeführt. Ein Feuerlöscher …read more

Source:: Kurier.at – Sport

  Mehr als eine Kugel: Warum man den WM-Ball aufladen muss

      

(Visited 3 times, 3 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.