
Der Verlust von Privilegien fühlt sich oftmals wie eine Ungerechtigkeit an. Die Aussage stammt von „Herr & Speer“. Das ist keine Popband, sondern ein Duo von UN-Botschaftern, das sich für mehr Chancengleichheit einsetzt. Der Satz hat sich mir persönlich eingebrannt – anders lässt sich nicht erklären, warum der Gegenwind, wenn es um Gleichberechtigung geht, so enorm groß ist.
Es genügen Worte wie Feminismus oder – ganz mutig – Frauenquote und die Welle an Empörung rollt los. Da wundert es kaum, dass auch in Sachen Gehaltstransparenz die Abwehrhaltung größer ist, als die Bereitschaft, faire Regeln festzulegen.
Natürlich geht es nicht darum, das Gehalt jedes Einzelnen offenzulegen und wie bei der ORF-Gagenliste einen Mob mit Mistgabeln und Fackeln loszutreten. Aber es geht schon darum, zu erkennen, ob innerhalb eines Betriebs Mitarbeitende strukturell schlechter bezahlt sind.
Die Angst vor mehr Bürokratie seitens der Unternehmen ist verständlich. Es braucht wirklich nicht noch einen Bericht, der verfasst und ohne Mehrwert in der Schublade verscharrt wird. Aber es braucht mehr Gespräche darüber, wie Gehälter zustande kommen. Darüber, dass man unbewusst Menschen bevorzugt, die einem ähnlich oder sympathisch sind. Entscheidend ist, diesen Makel einzugestehen und bei der nächsten Gehaltsrunde vielleicht jene anzuheben, die bislang durch die Finger geschaut haben.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



