
Fußballerisch läuft für den Co-Gastgeber alles nach Wunsch. Bei einem fulminanten 5:1 über Serbien präsentierte sich Mexiko im letzten Test vor dem Eröffnungsspiel in Spiel- und Torlaune. Es kann also losgehen am 11. Juni um 21 Uhr (MESZ) im legendären Azteken-Stadion gegen Südafrika.
Dann sollen erst Weltstar Shakira und Burno Boy für Stimmung sorgen, ehe schließlich der Ball rollt. Doch nicht einmal eine Woche vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft drohen Proteste das Turnier mindestens zu behindern. Bereits seit einigen Wochen baut sich eine Spannung auf, von der niemand so recht weiß, in welche Richtung sich die Stimmung noch entwickeln wird.
Es sind die ungelösten Probleme der mexikanischen Gesellschaft, die nun nach vorne drängen. Angehörige fordern von der Regierung mehr Engagement bei der Suche nach mehr als 100.000 verschwundenen, mutmaßlich durch die organisierte Kriminalität ermordete Menschen. Die Familien überkleben WM-Plakate mit den Fotos der Vermissten. Allein rund um das WM-Stadion in Guadalajara fanden Experten in den letzten Jahren die Überreste von rund 500 Menschen.
Kleinbauern und Lehrer
Dann sind es die Kleinbauern, das Transportgewerbe und die Lehrer, die mit Streiks und Demonstrationen die Aufmerksamkeit der WM nutzen wollen, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Dabei wird auch mal eine WM-Skulptur niedergerissen und es kommt zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften.
„Wenn es keine Lösung gibt, rollt der Ball nicht!“, heißt ein Motto der „Nationalen Koordinierungsstelle der Bildungsarbeiter (CNTE)“. Sie vertritt Lehrerinnen und Lehrer, die gegen eine Bildungsreform demonstrieren und eine Lohnerhöhung fordern. „In Mexiko bezahlen wir unsere Lehrer schlecht“, sagte die promovierte Pädagogin Cuevas Cajiga der Zeitung El Universal. Die Mittel ihrer Proteste sind durchaus effektiv. Straßensperren und Sitzstreiks strapazieren wenige Tage für der WM die Nerven der Verantwortlichen. Die Polizei hält sich zurück, es sollen keine Bilder entstehen, die blutige Demonstranten zeigen.
Auch die Kleinbauern spielen seit Wochen mit den Gedanken die besondere Situation der WM zu nutzen, um die Regierung unter Druck zu setzen. „Bei der Weltmeisterschaft 2026 setzen wir alles auf eine Karte: Wir werden keinen Flughafen in Mexiko-Stadt haben, ebenso wenig wie in Guadalajara oder Monterrey. Der Flughafen von Mexiko-Stadt wird kollabieren“, kündigte Eraclio Rodríguez von der „National Front zur Rettung der mexikanischen Kleinbauernschaft“ (FNRCM) jüngst Straßenblockaden an. Inwieweit nur ein Drohszenario ist, bleibt abzuwarten.
Keine Fortschritte bei Gesprächen
Hintergrund der Aktion sind Forderungen der Campesinos nach fairen Preisen für die Abnahme der Maisernte. Nach Angaben des Verbandes hätten bisherige Gespräche mit der Regierung der linksgerichteten Präsidentin Claudia Sheinbaum keine Fortschritte ergeben.
In Mexiko sind insgesamt 13 WM-Spiele geplant. Ausgetragen werden die Partien in Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara. Es ist das dritte Mal nach 1970 und 1986, dass Mexiko Gastgeber einer Fußball-WM ist.
Source:: Kurier.at – Politik



