AT&S-Chef: „Müssen derzeit Kunden ablehnen“

Wirtschaft

Die Geschäfte beim steirischen Leiterplatten- und IC-Substrate-Hersteller AT&S laufen dank des KI-Booms so gut wie schon lange nicht. Das Unternehmen hat sich vom Auftragsfertiger zum Technologie-Partner beim Thema künstliche Intelligenz (KI) entwickelt und dadurch seine Kundenbasis erweitert und diversifiziert. „Der KI-Boom steht erst am Anfang, das ist keine kurzfristige Blase. KI wird bald alle Lebensbereiche dominieren“, sagte AT&S-Vorstandsvorsitzender Michael Mertin bei der Präsentation der Jahresbilanz.

„Wir wachsen an allen Standorten und werden in Zukunft alle brauchen. Am Headquarter in Leoben/Steiermark ist die Produktion voll ausgelastet, „wir müssen derzeit Kunden ablehnen“, so Mertin. Es könnte zwar mehr produziert werden, aber es gebe wegen der geopolitischen Lage derzeit Knappheiten bei manchen Lieferanten. Diese sollten ab Mitte des 2. Quartals dank der Diversifizierung der Supply Chain aber behoben sein. 

Hohe Nachfrage nach IC-Substraten

Derzeit gebe es eine hohe Nachfrage vor allem von neuen Kunden im Bereich von Chipsystemen. Alle großen Hyperscaler, also etwa Amazon, Google oder Microsoft, würden ihre KI-Rechenzentren aufrüsten und auch Chiphersteller wie AMD oder Ampere benötigen sogenannte IC-Substrate von AT&S. 

Die winzigen Verbindungsteile zwischen Hochleistungschip und allen elektronischen Funktionalitäten werden in Rechenzentren eingesetzt, um den wachsenden Stromverbrauch in Zaum zu halten.  Andere Einsatzgebiete sind Kraftwerke, Smartphones oder Autos. In Smartphones braucht es IC-Substrate als Schnittstelle zu Datenspeicher und Stromversorgung. „Es geht nicht mehr nur um den Chip allein, sondern um die Gesamtintegration und Kommunikation“, erläutert Mertin. 

Erweiterung des Werkes Chongqing in China

Um den Großauftrag eines US-Kunden erfüllen zu können,  plant AT&S die Kapazität am Standort in Chongqing, China, zu erweitern. Die Kosten dafür würden im Rahmen langfristiger Kundenvereinbarungen finanziert. Im Werk Kulim in Malaysia könnte die Kapazität jederzeit ausgeweitet werden. Mertin sieht sich auch geopolitisch gut aufgestellt. „Wir haben einen positiven Ruf in China und in den USA“. 

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Starkes Umsatzplus, aber leichter Verlust 2025/2026

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 konnte AT&S dank der hohen Nachfrage den Umsatz um 12,7 Prozent auf knapp  1,8 Mrd. Euro steigern. Das Vorsteuerergebnis war mit 66 Mio. Euro zwar positiv, doch unterm Strich schrieb das Unternehmen ein Minus von 25,6 Mio. Euro. Daher soll auch diesmal die Dividende ausfallen. 2024/25 erzielte AT&S wegen des Verkaufs eines Werkes knapp 90 Mio. Euro Gewinn. Die Mitarbeiterzahl blieb trotz des strikten Sparkurses mit 13.250 stabil.

Hohe Kosteneinsparungen

Insgesamt konnte AT&S im abgelaufenen Wirtschaftsjahr die Kostenbasis um 170 Mio. Euro senken und übertraf damit die Zielsetzung deutlich. Bereits im Jahr zuvor konnten die Kosten um 120 Mio. Euro gesenkt werden. Im laufenden Jahr ist eine weitere Kostensenkung um 110 Mio. Euro geplant.

Für heuer Umsatzsteigerung um bis zu 35 Prozent erwartet 

Für heuer peilt das Unternehmen eine währungsbereinigte Umsatzsteigerung um 30 bis 35 Prozent an. Weiters wird eine EBITDA-Marge von 25 bis 29 Prozent angepeilt. Das Investitionsvolumen soll auf 400 Mio. Euro steigen, nach 178 Mio. Euro im Wirtschaftsjahr 2025/26. Einerseits hätten sich Investitionen verschoben, andererseits reagiere man auf die steigende Nachfrage nach IC-Substraten, so AT&S-Finanzchef Gerrit Steen. Ein „signifikanter Anteil“ soll davon auch nach Leoben gehen. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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