
Der Wiener Biotech-Standort hat einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Wie der staatlich bevorrechtete Gläubigerschutzverband Creditreform mitteilt, hat die CarlLabs GmbH (FN 557445y) mit Sitz in Wien am Freitag einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens eingebracht. Zuständig ist das Handelsgericht Wien.
„Die wirtschaftliche Grundlage des Unternehmens ist zuletzt weggebrochen“, erklärt Karl Quendler von Creditreform. Derzeit beschäftigt das Unternehmen noch drei Dienstnehmer.
Vom Hoffnungsträger zum Insolvenzfall
CarlLabs, vormals Abundance GmbH, positionierte sich als infrastruktureller Enabler für junge Biotech-Startups. Das Geschäftsmodell: Hochwertig ausgestattete Laborarbeitsplätze – inklusive moderner BSL‑1- und BSL‑2-Labore – sollten Gründerinnen und Gründern den kostspieligen Schritt von der Grundlagenforschung zur Marktreife erleichtern.
Das Pilotprojekt am Standort Carlbergergasse 66 im 23. Wiener Gemeindebezirk galt zunächst als Erfolg. Auf rund 1.200 Quadratmetern wurden hochmoderne Labore geschaffen, die nach Fertigstellung im Jahr 2023 rasch vermietet waren. Mehrere namhafte strategische Investoren unterstützten das Konzept mit qualifiziert nachrangigen Wandeldarlehen und Agios in Höhe von insgesamt rund 1,25 Millionen Euro.
Kettenreaktion aus Insolvenzen und Markteinbruch
Doch die Erfolgsgeschichte währte nicht lange. Zwei der größten Mieter gerieten selbst in Insolvenz – mit gravierenden Folgen für CarlLabs. Die Mieteinnahmen brachen ein, Fixkosten blieben. Parallel dazu verschlechterten sich die Marktbedingungen im Biotech- und Immobilienumfeld spürbar.
Ein weiterer schwerer Schlag folgte im Februar 2025: Über das Vermögen der 6B47 Real Estate Investors AG, Partner des geplanten Großprojekts von CarlLabs, wurde ein Konkursverfahren eröffnet. Gemeinsam wollte man an der Breitenfurter Straße 148 einen Biotech-Hub mit 18.000 Quadratmetern Laborfläche und einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro errichten – ein Leuchtturmprojekt, das nun endgültig Geschichte ist.
Zahlen, die ernüchtern
Laut Creditreform sind rund 31 Gläubiger von der Insolvenz betroffen. Die Passiva summieren sich auf exakt 4.172.695,46 Euro. Dem gegenüber steht Anlagevermögen mit einem Buchwert von rund 1,83 Millionen Euro.
Ungewisse Zukunft
Ob eine Fortführung des Unternehmens – etwa in verkleinerter Form oder durch einen Investor – im Interesse der Gläubiger sinnvoll und wirtschaftlich darstellbar ist, muss nun die noch zu bestellende Insolvenzverwaltung prüfen, so Creditreform.
Klar ist jedoch schon jetzt: Der Konkurs von CarlLabs zeigt, wie fragil selbst gut finanzierte und strategisch sinnvoll gedachte Geschäftsmodelle im Hochtechnologiesektor sein können, wenn mehrere externe Schocks zusammentreffen. Für den Biotech-Standort Wien ist der Fall CarlLabs mehr als eine Einzelinsolvenz – er ist ein Warnsignal.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



