Frischer Glanz für alpine Hütten: Warum ein Sanierungsstau droht

Wirtschaft

Der Österreichische Alpenverein, der österreichweit 223 Schutzhütten und 226.000 Kilometer Wege betreut, steht beim Umbau von Schutzhütten vor Herausforderungen. Die Modernisierung vieler Hütten, teils mehr als Hundert Jahre alt, ist wichtig für die alpine Infrastruktur – gleichzeitig ist das Bauen im Hochgebirge nicht nur wegen stark gestiegenen Materialkosten etwa doppelt so teuer wie im Tal, sagt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein. 

Extreme Lagen, kurze Bauzeiten und aufwändige Logistik erschweren die Umsetzung. Hinzu komme die herausfordernde Lage in der Baubranche: „Firmen legen zum Teil gar keine Aufträge mehr für Bauten am Berg, weil es sich im Tal leichter kalkulieren lässt und es sicherer ist“, so Unterberger. Aufgrund der Witterung ist die Bauzeit auf Juni bis September begrenzt, die Logistik ist anspruchsvoll. Die Vorfertigung spielt eine große Rolle, Bauteile werden im Tal produziert.

Der Alpenverein erschließt grundsätzlich keine neuen Standorte, der Fokus liegt auf der Sanierung bestehender Hütten und die Errichtung notwendiger Ersatzbauten. Auch der Klimawandel stellt den Alpenverein vor zusätzliche Herausforderungen: Veränderungen bei Wasserverfügbarkeit und Standortstabilität können den Betrieb bei hoch gelegenen Hütten erschweren und Anpassungen an der Infrastruktur erforderlich machen.

Um optimale Lösungen beim Bau und der Sanierung von Schutzhütten zu erzielen, richtet der Österreichische Alpenverein mit den Sektionen seit den 2000er-Jahren Architekturwettbewerbe aus.

So auch bei der Glungezer-Hütte (2.610 m in den Tuxer Alpen) des Alpenverein Hall in Tirol, wo Architekt Armin Neurauter überzeugte. Ab Sommer 2027 soll die 1932 errichtete Hütte umfassend saniert werden, um den ganzjährigen Betrieb sicherzustellen. „Grund für die Maßnahmen sind erhebliche Mängel der bestehenden Bausubstanz. Ohne Sanierung würden wichtige Bereiche langfristig nicht mehr den betrieblichen, energetischen, bautechnischen und gesetzlichen Anforderungen entsprechen“, so Romed Giner, 1. Vorsitzender des Alpenverein Hall in Tirol. 

  Kärcher-Chef: "Wenn das anhält, haben alle ein Problem"

Geplant sind die Erneuerung der in die Jahre gekommenen Schlaflager und Sanitärbereiche sowie adäquate Unterkünfte für Pächter und Personal. Im Vordergrund stehen energetische, statische und geologische Maßnahmen. Die Anzahl der Schlafplätze auf der Hütte bleibt unverändert bei 48 Betten. Um den Charakter der Hütte zu bewahren, bleiben die historische Prachensky-Stube des Tiroler Architekten Theodor Prachensky aus dem Jahr 1935 sowie die Natursteinfassade erhalten. Die Kosten des Umbaus liegen bei ca. drei Mio. Euro. Die Hütte bleibt während die Sommersaison 2027 für den Umbau geschlossen.

Der Erhalt der Hütten ist laut Alpenverein ohne ehrenamtliches Engagement nicht möglich. „Nur mit den Ehrenamtlichen wird es möglich bleiben, unsere alpine Infrastruktur als die Grundlage des wanderbaren Österreich für Einheimische wie Touristen zu bewahren“, so Georg Unterberger. Wie wichtig dieses Engagement ist, zeigt etwa die Gamskarkogel-Hütte in Salzburg: Dort wurden durch 40 Freiwillige und 4.400 ehrenamtliche Arbeitsstunden in zehn Wochen rund 75 Tonnen Material verarbeitet. 

Dennoch brauche es Bundesmittel: Der Alpenverein drängt auf eine Aufstockung der Bundesmittel für den Erhalt der alpinen Infrastruktur. „Es gibt bei uns und auch bei anderen alpinen Vereinen einen großen Sanierungsstau“, so Unterberger. Erforderlich seien für Hüttensanierungen und den Wegeerhalt 95 Millionen Euro auf einen Zeitraum von fünf Jahren, beziffert er.

…read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 3 times, 3 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.