
In Österreich sind rund zwei Drittel der Studierenden erwerbstätig. Manche davon durchgehend, andere gelegentlich. Nur so ließen sich das Studium und das Leben finanzieren. Doch jetzt sticht in der neuen Studierenden-Sozialerhebung des Instituts für Höhere Studien (IHS), die diese Woche veröffentlicht wurde, eine bemerkenswerte Entwicklung ins Auge.
Erwerbstätigkeit bei österreichischen Studierenden gesunken
Nachdem die Erwerbsquote in den vergangenen zehn Jahren bei Studierenden stetig gestiegen und auf bis zu 69 Prozent hochgeklettert ist, ist sie zuletzt wieder gesunken – um einen Prozentpunkt auf 68 Prozent. Und auch das durchschnittliche Erwerbsausmaß – also wie viele Stunden die berufstätigen Studierenden arbeiten – hat seit 2023 um fast eine Stunde abgenommen und liegt aktuell bei 20,2 Stunden die Woche. Damit befindet man sich wieder auf dem Niveau von 2015 und 2019, hebt das IHS hervor. Hinzukommt, dass auch der Anteil an vollzeitbeschäftigten Studierenden von zwölf auf elf Prozent zurückgegangen ist. Hat der Job für Studierende also an Stellenwert verloren? Oder braucht es ihn nicht mehr so?
Eine mögliche Antwort liefert ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der IHS-Erhebung. Die finanzielle Not unter den Studierenden ist zurückgegangen. 25 Prozent geben an, finanzielle Schwierigkeiten zu haben, wobei die Gruppe der älteren Studierenden hier besonders stark vertreten ist. 2023 waren es aber noch 29 Prozent. Woher kommt also plötzlich die finanzielle Entspannung, obwohl weniger gearbeitet wird, die Teuerung weiterhin schwer wiegt und auch die Wohnkosten für Studierende binnen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen sind?
Expertin ordnet ein und sagt: „Nicht überinterpretieren“
Eine Einordnung gibt IHS-Studienautorin Anna Dibiasi. Sie warnt davor, all diese Rückgänge zu überinterpretieren. Denn im Zuge der Pandemie kam es in vielen Bereichen zu Extremwerten. „2025 normalisierte sich das wieder ein bisschen“, sagt sie und nennt als Beispiel die zurückgegangene Erwerbsquote von 69 auf 68 Prozent. „Das ist nur ein Prozentpunkt. Wir vergleichen die Daten über einen längeren Zeitraum. 2015 lag die Erwerbsquote noch bei 61 Prozent. Insofern sind die 68 Prozent immer noch hoch.“ Generell sei das Erwerbsausmaß der aussagekräftigere Wert. Dieser ist zwar auch zurückgegangen, aber da müsse man laut Dibiasi noch abwarten, wie es weitergeht.
Dass die finanzielle Belastung unter Studierenden abgenommen hat, ist selbstverständlich zu begrüßen. Insbesondere in gewissen Gruppen würde sich diese Entwicklung ablesen lassen, berichtet die Studienautorin. „Das sind häufig Bezieherinnen und Bezieher einer Studienförderung. Daran erkennt man, dass die Studienförderung ihre Wirkung nicht verfehlt und die Valorisierung, die beschlossen wurde, ihre Wirkung zeigt.“
Die Problemgruppe: Jeder fünfte Studierende
Studierende, die vom IHS weiterhin als sogenannte „Problemgruppe“ eingestuft werden, sind jene, die sich primär als Studierende betrachten, aber im höheren Ausmaß erwerbstätig sind. Das trifft auf rund ein Fünftel der Studierenden zu. „Diese Gruppe arbeitet aus finanziellem Druck und hat ein relativ hohes Gesamtpensum.“ Dennoch wird die Erwerbstätigkeit manchmal reduziert, um einen höheren Studienerfolg zu erzielen.
Besonders herausfordernd wird es, wenn kein Anspruch auf Förderung besteht, Beihilfen wegfallen oder Eltern finanziell keine Unterstützung leisten können. „Dann geht es zulasten des Studiums.“ Insgesamt betont Dibiasi, dass eine studentische Erwerbstätigkeit per se nichts Schlechtes ist. Schließlich wäre die Studierendenschaft in Österreich sehr heterogen und die Bedürfnisse und Karrieren ganz unterschiedlich. Und …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



