
Zwei Tage nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran feuerte auch die libanesische Hisbollah-Miliz wieder Raketen auf Israel. Es folgten sechs Wochen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah, die vom Iran unterstützt wird, mit mehr als 2.000 Toten im Libanon, mehr als einer Million Binnenvertriebenen und schweren Verwüstungen in dem Land. In der Nacht zum Freitag trat nun eine Waffenruhe in Kraft. Worauf dabei zu achten ist:
Was haben Israel und der Libanon genau vereinbart?
Die libanesische Regierung und mit ihr die libanesische Armee sind keine aktive Kriegspartei des jüngsten Konflikts, der sich zwischen der Hisbollah und Israel abspielte.
Offiziell befinden sich Israel und der Libanon aber seit Jahrzehnten im Kriegszustand. Umso bemerkenswerter ist, dass es diese Woche erstmals seit Jahrzehnten unter US-Vermittlung zu hochrangigen Kontakten zwischen Vertretern der beiden Länder kam und in der Folge nun zu einer Übereinkunft zwischen den beiden offiziell verfeindeten Ländern.
Die vom US-Außenministerium veröffentlichte Abmachung zwischen den beiden Ländern besagt konkret, dass die Waffenruhe zunächst zehn Tage dauert, bei Fortschritten in den Verhandlungen aber auch verlängert werden könne. Die libanesische Regierung soll mit internationaler Hilfe die Hisbollah an Angriffen auf Israel hindern, heißt es weiter. Israel soll zugleich „offensive“ Einsätze gegen Ziele im Libanon unterlassen, das Land darf sich jedoch gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen. Betont wird in der Abmachung, dass allein die libanesischen Sicherheitskräfte für die Souveränität und Verteidigung des Libanons verantwortlich sind.
Wie stehen die Chancen, dass die Waffenruhe hält? Fühlt sich die Hisbollah daran gebunden?
Im Libanon herrscht die Sorge, dass die aktuelle Waffenruhe der Vereinbarung einer Feuerpause im Jahr 2024 gleichkommt: Damals warfen sich beide Seiten stetig weiter Verstöße vor. Das israelische Militär griff damals nahezu täglich weiter im Libanon an und tötete dabei nach UN-Angaben auch immer wieder Zivilisten. Bereits wenige Stunden nach Inkrafttreten dieser Waffenruhe um Mitternacht (Ortszeit) warf die libanesische Armee Israel den Beschuss mehrerer Dörfer im Süden des Landes vor.
Von der Hisbollah hieß es am Mittag, ihre Kämpfer würden „ihre Hände am Abzug“ behalten. Man bleibe wachsam gegenüber „dem Verrat und der Heimtücke des Feindes.“ Nach den intensiven israelischen Angriffen – und bereits dem langen Krieg 2023/24 – gilt die Hisbollah grundsätzlich als geschwächt. Anfang März wurden ihr die militärischen Aktivitäten zudem staatlich verboten.
Beobachter gehen davon aus, dass ein Erfolg der Waffenruhe maßgeblich mit den Verhandlungen zwischen dem Iran, den USA und Israel zusammenhängt. „Sollte es zu einem Zusammenbruch der iranisch-amerikanischen Gespräche kommen, gäbe es für die Hisbollah sicherlich einen Anreiz, weiterzumachen“, sagte Analyst Michael Young vom Carnegie Middle East Center der Deutschen Presse-Agentur. Die Hisbollah agiere nach iranischer Agenda. Young geht gleichzeitig davon aus, dass Israel weiter ein Interesse daran habe, Angriffe gegen die Hisbollah im Libanon auszuführen.
Warum hat sich Netanjahu auf die Waffenruhe eingelassen?
Erst vor wenigen Tagen lehnte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Feuerpause im Libanon noch ab. Obwohl es in Israel große Kritik gibt, dass die Kriegsziele nicht erreicht worden seien und die Bevölkerung in Nordisrael weiterhin durch die Hisbollah bedroht werde, lenkte Netanjahu nun ein – israelischen Beobachtern zufolge auf Druck aus Washington. Die …read more
Source:: Kurier.at – Politik



