ORF-Affäre um Weißmann: Chatinhalte für Thurnher „verstörend“ und „schockierend“

Kultur

Nach dem Ex-ORF-General Roland Weißmann, der am Sonntag im großen KURIER-Interview seine Sicht der Dinge dargelegt hatte und sich von den Vorwürfen reingewaschen sah, meldet sich nun erneut jene Frau in mehreren Medien zu Wort, die ihm die Vorwürfe gemacht hat.

Dass ein ORF-interner Compliancebericht den Vorwurf der sexuellen Belästigung nicht gegeben sah, könne sie „gar nicht nachvollziehen“, sagte die Frau in der „Zeit im Bild“ des ORF. Ihre Abwehrhaltung gegenüber den Chatnachrichten Weißmanns sei „eindeutig zu erkennen“ gewesen. „Wenn man es sehen will, sieht man es“, sagte sie.

Weißmann habe immer mehr Druck auf sie ausgeübt. Sie habe gefürchtet, dass sie „meinen Job verliere, wenn ich nicht tue, was er sagt“, meinte sie auch in der Kronenzeitung. „Dass er mich kündigen wird. Er hat mich ja auch dauernd beschimpft, mündlich und schriftlich, wenn ich nicht getan habe, was er wollte“, sagte sie zur Kronenzeitung.

Der Anwalt Weißmanns, Oliver Scherbaum, wies die Darstellung der Frau erneut zurück. 

Thurnher:  „Niemand sollte so etwas ausgesetzt sein.“

Die interimistische ORF-Chefin Ingrid Thurnher wiederum kommentierte in der ZiB den Inhalt von Chatnachrichten Weißmanns, die der Falter veröffentlicht hat. Diese seien „verstörend, schockierend und inakzeptabel“, sagte sie laut einem Statement. „Niemand sollte so etwas ausgesetzt sein.“ Die Nachrichten bestätigen laut Thurnher, dass die Kündigung Weißmanns der „richtige Schritt“ gewesen sei.

Dies wird sie auch am Donnerstag im Stiftungsrat erklären müssen. Denn in dieser Sitzung muss sie Bericht ablegen darüber, wie die Aufarbeitung der Affäre um Weißmann läuft. Schon zuvor war im ORF und außerhalb implizite oder explizite Kritik an der Compliance-Prüfung laut geworden. Weißmann will, so hatte er angekündigt, sein ehemaliges Unternehmen, dessen Chefposten er nach eigenen Angaben verlassen hat, um Schaden vom ORF abzuwenden, auf bis zu 4 Millionen Euro klagen.

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Und die Aufarbeitung geht darüber hinaus: Ein weiterer prominenter ORF-Manager, Oliver Böhm, wurde inzwischen beurlaubt. Vorwürfe gegen ihn werden geprüft. Thurnher hat angekündigt, all das aufklären lassen zu wollen, was im ORF so schiefgelaufen ist. Das reicht auch weit in die Vergangenheit, etwa mit dem Streit um die Pensionsregelung für den mächtigen Manager Pius Strobl.

Dem Vernehmen nach herrscht am Küniglberg, aber auch im politischen Umfeld, einiges an Unruhe.

Die Vorsitzenden des Stiftungsrats, Heinz Lederer (SPÖ) und Gregor Schütze (ÖVP), stehen indes wegen ihrer Vorgangsweise stark in der Kritik. Ihnen und den FPÖ-Stiftungsräten Peter Westenthaler und Thomas Prantner haben – bisher unerhört – die Redaktionsvertreter im ORF das Misstrauen ausgesprochen.

FPÖ-Oberwasser

Die FPÖ schlachtet derweil jedes Detail und auch die Gerüchte über eine Kokainaffäre am Küniglberg genüsslich aus. Am heutigen Dienstag will sie in einer Pressekonferenz nachlegen.

Thurnher soll in der selben Sitzung zur ORF-Chefin bis Jahresende bestellt werden. Und es soll auch um die Ausschreibung der Leitung ab 2027 gehen.

Georg Leyrer

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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