ORF: Thurnher muss dem Stiftungsrat die Skandalaufarbeitung erläutern

Kultur

Eigentlich sollte es ein angenehmer Termin sein, als Favoritin in jene Sitzung zu gehen, in der die nächste Generaldirektion des ORF gekürt wird.

Für Ingrid Thurnher dürfte die Stiftungsratssitzung am Donnerstag aber alles andere als ein Wellnesstermin werden. Denn bevor die derzeitige interimistische ORF-Chefin allem Erwarten nach bis Jahresende in dieser Position bestätigt wird, muss sie erst einmal Bericht ablegen. Darüber, wie die Aufarbeitung der Affäre um den zurückgetretenen ORF-General Roland Weißmann läuft.

Und nicht zuletzt, da die ganze Causa und ihre politische Begleitmusik für einige Menschen im und um den ORF zum Riesenproblem geworden ist, dürfte das ruppig werden.

Klagen

„Bericht der vorläufigen Geschäftsführerin zur aktuellen Situation des ORF“ heißt das etwas trocken auf der Agenda des Stiftungsrats. Denn diese Situation ist, gelinde gesagt, komplex. Weißmann sieht sich durch ein dementsprechendes Ergebnis der Compliance-Prüfung vom Vorwurf der sexuellen Belästigung endgültig reingewaschen. Er will sein ehemaliges Unternehmen, dessen Chefposten er nach eigenen Angaben verlassen hat, um Schaden vom ORF abzuwenden, auf bis zu 4 Millionen Euro klagen.

Andererseits gibt es im ORF und außerhalb implizite oder explizite Kritik an dieser Prüfung, darunter auch an den Personen, die sie durchgeführt haben, und daran, dass deren Argumente nicht öffentlich sind. 

Auch die betroffene Frau beharrt auf ihrer Darstellung – und will klagen.

Ein weiterer prominenter ORF-Manager, Oliver Böhm, wurde inzwischen beurlaubt. Vorwürfe gegen ihn werden geprüft.

Thurnher hat angekündigt, all das aufklären lassen zu wollen, was im ORF so schief gelaufen ist. Das reicht auch weit in die Vergangenheit, etwa mit dem Streit um die Pensionsregelung für den mächtigen Manager Pius Strobl.

  "Szenen einer Ehe" im Theater Akzent: Verdrehte Geschlechterklischees

Dem Vernehmen nach herrscht am Küniglberg, aber auch im politischen Umfeld, einiges an Unruhe.

Die Vorsitzenden des Stiftungsrats, Heinz Lederer (SPÖ) und Gregor Schütze (ÖVP), stehen indes wegen ihrer Vorgangsweise stark in der Kritik. Knackpunkt ist die erste ORF-Aussendung nach dem Rücktritt Weißmanns, die den Belästigungsvorwurf noch vor der Prüfung öffentlich machte. Ihnen und den FPÖ-Stiftungsräten Peter Westenthaler und Thomas Prantner haben – bisher unerhört – die Redaktionsvertreter im ORF das Misstrauen ausgesprochen, auch das soll laut Standard, geht es nach der Stiftungsrätin Hildegard Aichberger, auf der Agenda der Sitzung stehen.

FPÖ-Oberwasser

Die FPÖ schlachtet derweil jedes Detail und auch die Gerüchte über eine Kokainaffäre am Küniglberg genüsslich aus. Am Dienstag will sie in einer Pressekonferenz nachlegen.

Die „aktuelle Situation“ des ORF ist also alles andere als rosig. Dabei werden am Donnerstag auch die Weichen in die weitere Zukunft gestellt: Es soll auch um die Ausschreibung gehen, mit der ab Mai die ORF-Leitung ab 2027 gefunden wird. Deren Wahl soll vorgezogen werden und schon im Juni stattfinden, hieß es zuletzt inoffiziell.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.