Großbritannien fürchtet sich vor europäischem „Marmeladediktat“

Politik

Dass Orangenmarmelade in Großbritannien Kultstatus hat, weiß man spätestens seit Königin Elizabeths Platinjubiläum. Während der Jubiläumsshow im Juni 2022 zeigte ein Sketch die damalige Monarchin beim Tee mit Paddington Bär. Das Geheimnis, das sie ihm dabei verriet: In ihrer schwarzen Handtasche trage sie stets ein Orangenmarmeladebrot bei sich. Für Notfälle.

Doch nun ist der Aufstrich unter Druck. „Hände weg von unserer Marmelade!“, echauffierte sich Richard Tice, Wirtschaftssprecher von Reform UK. „Die Labour-Partei“, erklärte auch die konservative Schatten-Außenministerin Priti Patel, „greift die großartige britische Marmelade an!“

Dazu muss man wissen: Auf wenig legen Briten so viel Wert wie auf Sprache. Sie schmunzeln mit Vorliebe über „inkorrekte“ amerikanisch-englische Begriffe und zerlegen Wörter und Bedeutungen in verschiedensten Quizsendungen. Die Genugtuung, dass ein Brite das Kreuzworträtsel erfunden hat, wird nur dadurch geschmälert, dass er dies in New York tat.

England gab’s vor

Zurück zum Eingemachten: Eine EU-Richtlinie „über Fruchtkonfitüren, Gelees, Marmeladen und gesüßtes Kastanienpüree“ legte 1979 fest, dass eine Konfitüre nur dann als Marmelade bezeichnet werden darf, wenn sie mindestens 20 Prozent Zitrusfrüchte enthält. 

Damit unterstützt die Verordnung die englische Verwendung des Wortes marmalade, das sich auf die von Paddington so geliebte Orangenmarmelade aus Sevilla bezieht. Alle anderen Konfitüren – also jene aus Erdbeeren, Marillen oder Ribisel – heißen im Englischen jam. Doch im Deutschen, wo sich das Wort „Marmelade“ auf Eingemachtes jedweder Sorte bezieht, ergibt das wenig Sinn. 

Schon 2017 plädierte also der damalige deutsche SPD-Politiker Jakob von Weizsäcker, der Brexit sollte endlich das „britische Marmeladendiktat“ beenden. 2004 kam die erste Erleichterung: Die EU erlaubte es Österreich und Deutschland, Marmeladen auf Märkten weiter als solche verkauften. Doch auch das italienische marmellata beschreibt alle Sorten und die spanische mermelada bezeichnet auch Feigen- oder Tomatenkonfitüre. Ab Juni 2026 wird die Regel vereinheitlicht: Alle Konfitüren werden in der EU zu Marmeladen.

  "Stundenlang" angeschrien: Berater hielten Trump von Krisensitzung fern

Neues Abkommen mit der EU

Nun sind die Briten zwar nicht mehr Teil der EU. Doch um den angeschlagenen britischen Handel in Zeiten instabiler anglo-amerikanischer Beziehungen anzukurbeln, arbeitet Keir Starmers Labour-Regierung an einem neuen Lebensmittelabkommen mit der EU. Tritt dieses in Kraft, müssten auch aktuelle EU-Bezeichnungen übernommen werden. Die typische marmalade müsste dann, berichten Zeitungen von BBC über Independent bis Telegraph alarmiert, in citrus marmalade umbenannt werden. Für die Opposition ist das ein Skandal. 

Und so sah sich die britische Regierung gezwungen, zu beschwichtigen. „Die britische Marmelade bleibt unverändert“, teilte ein Regierungssprecher mit. „Sie wird in unseren Geschäften weiterhin genauso erhältlich sein wie bisher.“ 

Doch ob das tatsächlich stimmt, wird sich zeigen. Laut BBC habe ein Erzeuger sein Produkt bereits umbenannt; ein weiterer arbeite daran. 

Für die Dalemain Mansion, die jedes Jahr die World-Marmalade-Awards, ausrichten, steht jedenfalls fest: Dort werde weiterhin ausschließlich mit Marmelade aus Zitrusfrüchten gearbeitet. Denn es sei dieser Aufstrich, den Paddington, die Queen oder auch James Bond liebte.

…read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 2 times, 2 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.