
In der Nacht auf Mittwoch läuft die 14-tägige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran aus. Am heutigen Dienstag soll – so kündigte es US-Präsident Donald Trump am Wochenende an – in Islamabad über eine Verlängerung der Feuerpause oder sogar ein Ende des Krieges verhandelt werden. Bis Mittag (MESZ) blieb jedoch unklar, ob überhaupt beide Konfliktparteien in die pakistanische Hauptstadt reisen und Gespräche stattfinden können.
Welche Szenarien sind denkbar? Ein Überblick:
Szenario 1: Gespräche kommen zustande – und die USA beharren auf Maximalforderungen
Beide Kriegsparteien treffen im Laufe des Dienstag in Pakistan ein. Zwar sendete der Iran zuletzt widersprüchliche Signale über seine Teilnahme. Dieses Muster war jedoch bereits in der Vergangenheit erkennbar. Teheran will damit die eigene Verhandlungsposition stärken. Regionale Vermittler deuteten im Vorfeld zudem bereits an, dass sehr wohl ein iranisches Team für eine zweite Gesprächsrunde bereitstehe. Parlamentschef Mohammad Bagher Ghalibaf solle die Delegation leiten, falls auch US-Vizepräsident JD Vance an den Verhandlungen teilnimmt.
Danach sah es bis zuletzt aus. In Washington hieß es am Dienstag, eine Delegation unter der Leitung von Vance werde im Laufe des Tages in Islamabad eintreffen. Angesichts der langen Anreise aus den USA hätte die iranische Delegation auch noch ausreichend Zeit, von Teheran aus nachzureisen.
Inhaltlich könnten die USA an ihren roten Linien festhalten. Das wäre eine mindestens 20-jährige Aussetzung der iranischen Urananreicherung, die Übergabe des bereits hochangereichertem Urans sowie die Öffnung der Straße von Hormus. Teheran hat eine Aufgabe seines Atomprogramms bislang zwar strikt abgelehnt. Washington könnte jedoch darauf setzen, dass die Aussicht auf Sanktionserleichterungen Wirkung zeigt. Irans Militär und Wirtschaft wurden in den vergangenen Kriegswochen schließlich massiv geschädigt. Eine Lockerung der Sanktionen wäre zentral, um die tiefe Wirtschaftskrise im Land zu lindern.
Szenario 2: Ein Kompromiss zeichnet sich ab
Ein zweites Szenario ist eine begrenzte Einigung, etwa in Bezug auf die Aussetzung der iranischen Urananreicherung. Eine Möglichkeit, die am Wochenende laut Informationen des Wall Street Journal von Unterhändlern vorgebracht wurde, ist ein gestaffeltes Modell: Der Iran friert die Urananreicherung auf höhere Grade für 20 Jahre ein, darf jedoch nach zehn Jahren wieder eingeschränkt forschen oder für einen weiteren Zeitraum gering angereichertes Uran produzieren. Andere Varianten sehen vor, dass Teheran seine Bestände an zu 60 oder 20 Prozent angereichertem Uran abgibt, niedrig angereichertes Material jedoch behält, so das WSJ.
Szenario 3: Kein Deal – aber eine Verlängerung der Waffenruhe
Zwar erklärte Donald Trump am Montag gegenüber Bloomberg, eine Verlängerung der Waffenruhe sei „höchst unwahrscheinlich“. Allerdings hat er in der Vergangenheit wiederholt Flexibilität bei Fristen gezeigt. In diesem Szenario wird die Waffenruhe verlängert, ohne dass ein Abkommen zustande kommt. Denkbar wäre aber auch eine Absichtserklärung, die die Eckpunkte für künftige Verhandlungen festhält. Zur Erinnerung: Die Gespräche, die zum Atomabkommen von 2015 führten – später von Trump aufgekündigt –, bahnten sich über fast zwei Jahre an und der Vertrag selbst umfasste mehr als 160 Seiten.
Szenario 4: Gespräche scheitern – der Krieg geht weiter
Im vierten Szenario erscheinen die Konfliktparteien oder eine von ihnen gar nicht erst zu Gesprächen oder diese brechen rasch ab. Gründe dafür gäbe es viele. Beide Seiten könnten an ihren Maximalforderungen festhalten …read more
Source:: Kurier.at – Politik



