Mick Harvey: „KI wird Leute wie Taylor Swift überflüssig machen“

Kultur

Es gehört zum Konzept seiner „Uncovered Sessions“, dass Mick Harvey dafür Werke unbekannter Songwriter aufnimmt. Der Multiinstrumentalist, der von der Schulzeit bis Ende der Nuller-Jahre in den Bands von Nick Cave spielte, hat mit Amanda Acevedo gerade „Golden Mirrors“, das erste Album dieser Serie, veröffentlicht. Dafür haben sich die beiden Songs von Jackson C. Frank vorgenommen.

„Wir lieben auch viele berühmte Songwriter“, erklärt Harvey im KURIER-Interview. „Aber wenn Songs weniger bekannt sind, kannst du sie dir leichter zu eigen machen, weil keiner eine andere Vorstellung davon hat. “

Am 23. April wird das Duo „Golden Mirrors“ im Theater Akzent in Wien live vorstellen, wobei Acevedo singt, während Harvey und zwei Mitmusiker dichte Atmosphäre dazu zaubern.

Kein Koffer in Berlin

Generell schreibt Harvey selbst wenig Songs („Drei im Jahr sind viel“), weil er sich mit dem Texten schwertut. 2024 hat er mit „Five Ways To Say Goodbye“ – zum ersten Mal seit 2017 – wieder ein Album mit vorwiegend eigenen Songs herausgebracht. Auch die baut er in Wien in die Setlist ein.

Nicht im Programm hat er aber „A Suitcase in Berlin“, eine Coverversion von „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“. Es ist seine Reminiszenz an die Stadt, in der er ab 1983 gelebt und mit Nick Cave die Underground-Szene geprägt hat. Eine Zeit, die Harvey heute als „schädlicher, als mir damals klar war“ bezeichnet.

„Die anderen hatten alle ein Drogenproblem. Ich war zwar selbst auch nicht immer nüchtern, aber ich habe Drogen nie so exzessiv genommen wie die anderen und nur wenig getrunken. Die Leute um mich waren aber außer Kontrolle – und ich musste alles zusammenhalten. Damals sagte ich mir, passt, wir machen großartige Musik, das ist das, was zählt. Erst später habe ich gemerkt, wie anstrengend das war.“

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Keine freundschaftliche Trennung

Das war aber nicht der Grund, warum der heute 67-jährige 2009 die Bad Seeds verließ. Da hatte Cave die Drogensucht längst besiegt: „Es war damals musikalisch schon einige Jahre in eine massentauglichere Richtung gegangen. Ich war außerdem mehr mit Organisatorischem beschäftigt als mit dem Musikmachen und meine Meinung in der Band wurde nicht mehr gehört. Nick und ich vertragen uns jetzt wieder sehr gut, aber damals war es keine rein freundschaftliche Trennung.“

Harvey zog zurück nach Melbourne, schrieb Musik für Independent-Filme. Das hat er mittlerweile aufgegeben. „Weil Regisseure heute beim Schnitt Musik darunterlegen können, was früher nicht möglich war, bekommst du den Film mit provisorischer Musik, die die Atmosphäre vorgibt, die du kopieren sollst. Das macht keinen Spaß. Und jetzt lassen sie überhaupt viel von der KI machen. Fein, es hat mich vorher schon nicht mehr interessiert.“

Für das, was er macht, sieht Harvey, der sich viel mit den Möglichkeiten der KI beschäftigt hat, keine Gefahr: „Wenn du mit Liebe und Ehrlichkeit höchstpersönliche, individuelle Musik machst, wird die immer einen Platz haben. KI wird vielleicht Leute wie Taylor Swift überflüssig machen, weil diese Art Gebrauchspop kann sie gut kreieren. Aber sie kann keine Gefühle transportieren. Und ich glaube nicht, dass man sie je so programmieren wird können, dass sie das kann.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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