Anja Om und die Zeit nach dem Ende einer Freundschaft

Kultur

Ein kleines Zimmer auf einem Hausboot wünscht sich Anja Om in „Tiny Little Boat“. Das Hausboot schwimmt aber nicht, ist nur Synonym für das Leben eines Menschen, der ihr wichtig ist. Der Song ist titelgebend für ihr aktuelles Album und eine fröhlich-ironische Betrachtung des Themas, das das ganze Album bestimmt: Wie geht man damit um, wenn eine geliebte Person den Kontakt abbricht?

Freundeskummer

„Das Erste, woran man dabei denkt, ist eine romantische Beziehung“, erzählt die als Anja Obermayer geborene Musikerin im Interview mit dem KURER. „Aber in meinem Fall geht es um freundschaftliche Beziehungen. Die können auch eine Art Liebeskummer machen. Aber diese Art von Trennungsschmerz hat nicht so viel Platz in unserem Leben. Da sagt man nicht so schnell, oh das ist hart, ich stehe dir bei – obwohl das genauso weh tun kann.“ In zehn Songs widmen sich Om und die fünf Freundinnen ihres Vokal-Ensembles Plus den verschiedenen Aspekten dieser Situation.

In „Tiny Little Boat“ mit swingenden Sounds, die nur mit Gitarre, Händeklatschen und dem hervorragenden Gesang des Sextetts zustande kommen. Andernorts mit getrageneren Melodien, wobei Instrumente rar sind und die Stimmen hier schwebende Keyboards, dort Perkussion nachahmen. Aber überall scheint in Oms Leadgesang und ihrem Klavierspiel die Vorliebe für Jazz durch.

Von Bach zum Jazz

Die gebürtige Steirerin begann als Fünfjährige am Schoß der Mutter zu singen, die in einem Chor war. Om studierte schon als Kind Klavier und Klassik, hatte früh eigene Vokalensembles und sang in Chören: „Beim Singen habe ich Bach genauso geliebt wie Benjamin Britten oder Hugo Wolf. Aber am liebsten war mir später beim Jazzgesang-Studium zu improvisieren.“

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Das hört man zum Beispiel in dem resignierten „Out Of My Hands“. Da geht es „um die Ohnmacht, dass man akzeptieren muss, dass man gewisse Dinge nicht ändern kann. Denn manchmal ist man im Leben eines anderen ein Trigger für etwas, das aufzuarbeiten ist, und wird deshalb weggestoßen“, sagt sie. „Man denkt, man hat eine Lösung dafür, aber die Person kann sie nicht annehmen, man kann sie nicht zwingen, das aufzuarbeiten. Dann ist es – so hart das ist – besser, auf Abstand zu gehen.“ Tatsächlich, sagt Om, haben sich in letzter Zeit solche Vorfälle bei Freundschaften in ihrem Leben gehäuft.

Soziale Medien vs. echtes Leben

Privat ist sie mit dem Musiker und Klavierpädagogen Johannes Peham glücklich, hat mit ihm voriges Jahr ihr erstes Kind bekommen und liebt die Mutterschaft genauso wie ihre Karriere. Die erste Zeit mit dem Junior hat ihr aber die Idee zu einem anderen Aspekt des Album-Themas gegeben. In „I See Faces“ nimmt sie sich Social-Media-Kontakte vor.

„Wenn ich singe, ich sehe Gesichter, aber keine Menschen, meine ich, dass das nicht wahrhaftig ist. Als ich anfangs mit dem Kleinen zu Hause war, dachte ich, ich muss eh nirgendwo hingehen, ich kriege über die sozialen Medien eh alles mit, was im Leben der anderen vorgeht. Aber dann trifft man sich persönlich, erfährt, was für Schicksalsschläge passiert sind, und merkt, man kriegt eigentlich gar nichts mit.“

„Nicht verstellen“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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