Johan Eliasch: Was hinter dem Nationenwechsel des FIS-Bosses steckt

Sport

Johan Eliasch muss wirklich sehr an seinem Amt hängen. Oder aber er ist der festen Überzeugung, dass es ohne ihn im Skisport schlicht und einfach nicht geht. Vermutlich trifft beides auf ihn zu, eitel und unfehlbar wie sich der Präsident der FIS nun einmal geriert.

Um Mitte Juni beim FIS-Kongress in Belgrad wieder ins Amt gewählt zu werden, zieht Johan Eliasch alle Register. Man könnte auch sagen: Der 64-Jährige greift dafür sogar tief in die Trickkiste und wechselt einfach einmal schnell die Nation. Johan Eliasch, der gebürtige Schwede mit britischem Pass, ist Schnee von gestern. Der FIS-Boss geht vielmehr als lupenreiner Georgier in die Wahl, aus Johan Eliasch wird also schwuppdiwupp Johan Eliaschwili.

Es ist die hauseigene Satzung der FIS, die den Präsidenten zu diesem spontanen, aber durchaus wohldurchdachten Nationenwechsel animiert haben dürfte. Laut Artikel 10.10. muss nämlich ein Kandidat, der sich für das Präsidentenamt bewirbt von einem Mitgliedsverband der FIS vorgeschlagen werden. Dazu benötigt der Anwärter für das höchste Amt der FIS einen gültigen Pass mit der Nationalität jener Mitgliedsvereinigung, die sie nominiert.

Und hier kommt Georgien ins Spiel. Quasi über Nacht ist Eliasch ein Georgier geworden und man darf davon ausgehen, dass der Multimilliardär die georgische Nationalhymne Tawisupleba („Freiheit“) natürlich im Schlaf beherrscht.

Oder ist ein druckfrischer, aus dem Hut gezauberter Reisepass von Georgien, womöglich seine letzte Chance, sich irgendwie im Amt zu halten?

Verwunderung beim ÖSV

„Es kommt für viele überraschend, dass der FIS-Präsident Georgier ist“, sagt Christian Scherer, der Generalsekretär des ÖSV, der das Wirken von Eliasch mit großer Skepsis verfolgt. „Es kann sich jeder selbst einen Reim darauf machen.“

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Bezeichnend ist: Sowohl der englische als auch der schwedische Skiverband gaben keine Empfehlung für den amtierenden Präsidenten ab, der englische Verband schickt mit Victoria Gosling sogar offiziell eine Herausforderin ins Rennen. Dazu kommen der Liechtensteiner Alexander Ospelt, die Dänin Anna Harboe Falkenberg und der US-Amerikaner Dexter Paine. Die beiden Männer gelten als aussichtsreichste Widersacher.

Gegenwind und Gegenkandidaten

Bei seiner letzten Wahl im Mai 2022 hatte Johan Eliasch noch einen Freibrief. Es gab damals keinen Gegenkandidaten – aber trotzdem viel Gegenwind, denn viele nationale Verbände enthielten sich der Zustimmung.

Dass nun gleich vier Frauen und Männer gegen Eliasch in den Ring steigen, sagt einiges über den Zustand im Weltverband und den Führungsstil des Präsidenten aus. Der Mann, der angetreten war, um den Skisport in ein neues Zeitalter zu bringen, hat nicht viele Erfolge verbuchen können. Auch wenn er bei seinem Bewerbungsschreiben, das auf der FIS-Homepage einzusehen ist, auf 42 Seiten die Errungenschaften seiner Ära und die hochtrabenden Pläne für die Zukunft preist.

Ob das für eine Wiederwahl reicht?

Ich hoffe, dass er nach der nächsten Wahl nicht mehr Präsident ist. Er ist nämlich nicht in Ordnung.

Ex-ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel / über Johan Eliasch

Verbände gehen auf Distanz

Mittlerweile gehen immer mehr nationale Verbände auf Distanz. Auch die ÖSV-Verantwortlichen machen kein Hehl daraus, dass sie einen Wechsel an der Spitze forcieren.

Dabei war der ÖSV nicht ganz unbeteiligt daran, dass Johan Eliasch heute der FIS-Boss ist. Ex-Präsident Peter Schröcksnadel hatte sich 2021 lange Zeit für den Schweizer Urs Lehmann als FIS-Chef stark gemacht. Erst …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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