Hakan Fidan, Erdoğans „Schattenarchitekt“, auf Stimmenfang in Wien

Politik

Für den türkischen Außenminister Hakan Fidan wird der Besuch am Mittwoch in Wien fast schon ein Wohlfühltermin – sowohl zum türkischen Botschafter als auch zum Ständigen Vertreter der Türkei bei den UN werden ihm enge Verbindungen aus jener Zeit, als Fidan an der Bilkent-Universität in Ankara studierte, nachgesagt; beide sollen Vortragende von Fidan gewesen sein. Den Abend wird Fidan, der auch Deutsch spricht, bei der Union Internationaler Demokraten, kurz UID, verbringen, einer Vorfeldorganisation der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. Die Organisation, die selbst vielen in der türkischen Diaspora zu konservativ und zu religiös auftritt, hatte erst unlängst zum Fastenbrechen einen ähnlich hochrangigen Gast: den Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Bilal Erdoğan.

Es geht auch um politische Loyalitäten, die Fidan in Wien pflegen will. Denn sowohl hier als auch in der Türkei werden die Personen Hakan Fidan und Bilal Erdoğan als Rivalen um die Nachfolge Erdoğans gesehen.

Ex-Geheimdienstchef

Der 57-jährige Hakan Fidan hat sich seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren als Erdoğans „Schattenarchitekt“ etabliert. Fidan stand 13 Jahre lang an der Spitze des gut aufgestellten türkischen Geheimdienstes MIT, er gilt als enger Vertrauter Erdoğans, der im Hintergrund die Fäden zieht, während Erdoğan selbst die türkische Außenpolitik nach außen hin verkörpert. Wenig ist über ihn bekannt, seine Rolle im Putschversuch 2016 nach wie vor nicht ganz aufgeklärt.

Fidan, Ex-Militär, der auch bei der NATO in Deutschland tätig war, unterstützt die außenpolitischen Ambitionen Erdoğans, der eine aktive, zwischen Ost und West flexible Führungsrolle für die Türkei vorsieht. Gerade Fidan repräsentiert die Verknüpfung von außenpolitischen Fragen mit Sicherheits- und Verteidigungspolitik wie kaum ein anderer. Dafür genießt er in Erdoğans AKP großes Vertrauen. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer 2023 wurden Gerüchte laut, er könnte Erdoğan einmal nachfolgen. Doch scheint es immer mehr, als setze dieser lieber auf seinen Sohn.

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Von der Hinterbank in die Öffentlichkeit

Erdoğans ältester Sohn Bilal ist ein Geschäftsmann mit Anteilen an diversen Firmen, der eine Zeit lang in Italien lebte – bei seiner Hochzeit fungierte Erdoğans Freund Silvio Berlusconi als Trauzeuge – und bisher wenig in der politischen Öffentlichkeit präsent war. Der 45-Jährige steht einer konservativen Jugendorganisation vor, wirkt in parteinahen Stiftungen und wurde 2013 in einem Korruptionsskandal verdächtigt, Bestechungsgelder zu waschen. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Es ist ein leiser Einstieg in die Politik, ein Gewöhnen der Öffentlichkeit an seine Präsenz: Seit wenigen Monaten ist er auffallend häufig in den regierungsnahen Medien zu sehen. Lange galten auch die Schwiegersöhne Erdoğans – einer ist Leiter des Drohnenherstellers Baykar, der andere war erfolgloser Finanz- und Energieminister – als aussichtsreiche Kandidaten. Doch schon im Osmanischen Reich sorgten Schwiegersöhne der Sultane für mehr Unsicherheit als Stabilität.

Die nepotistische Erbfolgeplanung Erdoğans, etwa als nächster Parteichef, passt nicht allen – schon gar nicht großen Teilen der türkischen Bevölkerung, aber auch in der Partei gibt es Widerstand. Der AKP-Parteimitgründer Hüseyin Çelik übte bereits offen Kritik. Doch ein offener Machtkampf gilt als unwahrscheinlich, und sollte es zu einer Wahl zwischen Fidan und Bilal Erdoğan kommen, dürfte sich die Partei doch auf Erdoğans Seite stellen – den türkischen Präsidenten vor den Kopf zu stoßen, trauen sich nur …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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