Iran-Experte Posch: „Ich glaube nicht, dass es zu einem Durchbruch kommt“

Politik

Zurzeit ruhen die Waffen zwischen dem Iran und den USA, doch mit der Feuerpause könnte es  wieder vorbei sein, wenn Washington und Teheran keinen Weg zu Verhandlungen finden. Danach sehe es im Augenblick  aber nicht aus, analysiert Iran-Experte Walter Posch von der Landesverteidigungsakademie. 

KURIER: Die israelische Armee hat seit Kriegsbeginn mindestens 250 Personen aus der iranischen politischen und militärischen Führung getötet. Wer regiert jetzt das Land, bei wem liegt in Teheran die Macht?

Walter Posch: Dieses Regime war nie homogen, es gibt verschiedene Strömungen. Der Leiter des Nationalen Sicherheitsrates, der Parlamentspräsident und der Chef der Revolutionsgarde –  sie stammen alle aus der Unterschicht, sie verdanken ihre Karrieren der Revolutionsgarde. Ahmad Vahidi, der Chef der Revolutionsgarde, denkt sehr soldatisch, in Kategorien der Ehre der Nation: Vor diesem Hintergrund ist er auch bereit, mit den USA zu verhandeln. Er ist keiner, der die Weltherrschaft anstrebt, sondern ein Realist. Das sind sie alle. Dann gibt es noch Mohammed Zoghadr, Chef des Sicherheitsrates, der offenbar den Herausforderungen seiner Position nicht gewachsen ist. Normalerweise tritt so eine Person immer an die Öffentlichkeit. Er ist jemand, der mit den liberalen Ansätzen und mit Sympathisanten des letzten Schah nicht sehr huldvoll umgehen wird. 

Aber auch bei ihm gilt: Er ist kein Selbstmörder, sondern ein General, der daran denkt, wie es nach dem Krieg weitergehen soll. Antiwestlich – ja, aber auch nicht jemand, der auf Teufel komm raus die Konfrontation mit den Amerikanern sucht. Die anderen Militärs, die neu aufgestellten Verteidigungskommandos, sind alles Berufssoldaten, sie halten sich an die Vorgaben der politischen Führung.

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Und was ist mit der Regierung? 

Die Bedeutung der Regierung wird unterschätzt – Außenminister Araqchi, Präsident Peseschkian – sie haben die Schrecken des achtjährigen Krieges gegen den Irak erlebt. Sie haben keinen Grund, den Amerikanern zu trauen, schon gar nicht den Israelis. Aber sie sind auch Realisten, sie wissen, wie es um die iranische Wirtschaft bestellt ist.

Sie treiben die Verhandlungen voran, und offenbar ist allen Gruppen ganz recht, dass der jetzige Revolutionsführer nicht handlungsfähig ist. Die gesamte Situation erinnert immer mehr an die letzten Jahre der Schahzeit, wo alles auf eine Person zugeschnitten, aber die immer weniger handlungsfähig war.

Wie steht es um den neuen Revolutionsführer, Mojtaba Khamenei?

Er hat seine ganze Familie verloren, ich weiß nicht, wie es ihm geht. Um Laridschani zu töten, mussten tausend Menschen sterben. Und beim Angriff auf seinen Vater Ayatollah Ali Khamenei starben zahlreiche Familienangehörige, darunter auch die Frau seines Sohnes und Nachfolgers Mojtaba. Ich bin sehr überrascht, wie selbstverständlich diese zivilen Opfer genommen werden. Mojtaba hat früher eine Rolle gespielt, er konnte gut mit den radikalen Gruppen, die er aber auch im Zaum halten konnte.

Welche Rolle spielen die Religiösen?

Das war immer ein Mystizismus des Westens. Der gesamte  hohe Klerus – also die Ebene der Ayatollahs und höhere –  hat immer eine eigene Rolle gespielt und war stark für Verhandlungen. Großayatollah Sistani – das im Irak residierende geistige Oberhaupt der Schiiten – ruft zu Mäßigung und Zurückhaltung auf, ihn hat man im Westen weidlich ignoriert. Er ist aber der einzige Großayatollah nach dem Tode Khameneis,  der eine Dschihad-Fatwa …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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