
Nicht immer hat „Wahlkampf“ so eine attraktive Kulisse wie den Traunsee zu bieten. Über weite Strecken befindet man sich in Büroräumlichkeiten mit entsprechendem Mobiliar, nimmt Anteil an Strategiesitzungen mit wechselnder Begeisterung. Als ein Querschuss von Doris Bures medial geleakt wird, bilanziert SP-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim: „Das Wochenende war überschaubar lustig.“ Andreas Babler wird mal als wackerer Wahlkämpfer, mal beim lässigen Smalltalk mit seinem Team, mal on the road gezeigt.
Regisseur Harald Friedl hat sich nach Dokus über Willi Resetarits, Bhutan und Brot nun der Politik gewidmet. Warum Babler?
„Ich fand ihn mutig“, sagt Friedl. „Er entspricht nicht dem üblichen Bild eines Machtpolitikers, legt sich mit den Strukturen in der SPÖ an, und inhaltlich mit mächtigen Interessengruppen. Das fand ich spannend.“
Start im Jahr 2023
Kontaktiert habe er Babler bereits einen Monat, nachdem dieser im März 2023 seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt gegeben hatte. „Wir haben ohne Budget begonnen, zu drehen.“ Dann folgte am 3. Juni 2023 das Excel-Chaos am Linzer Parteitag, als Babler mit Verzögerung Parteichef wurde. Im Film ist das nur eine Randnotiz, obwohl man „schöne Aufnahmen“ hatte, wie Friedl sagt.
Ein Politikredakteur würde sich diese Bilder wohl nicht entgehen lassen, aber der Filmemacher denkt in anderen Kategorien: „Wir hätten das dramaturgische Problem gehabt, zu viele Anfänge zu haben und schlecht in den Film reinzukommen.“
Und Friedl sagt: „Ich war mir sicher, dass er es nicht schafft. Der ursprüngliche Plan war eine Doku über jemand, der versucht, Parteivorsitzender zu werden und dann wieder Bürgermeister von Traiskirchen sein wird.“
Auch wenn es Babler letztlich bis zum Vizekanzler geschafft hat, ist der Film bei weitem kein Heldenepos. Schon zu Beginn sieht man die Autofahrt zur Angelobung, Ehepartnerin Karin Blum sagt: „Andi, deine Hose hat einen Riss!“
Flippern im Büro
Richtigen Drive entwickelt weder die rote Wahlbewegung, noch die im Direct-Cinema-Stil gedrehte Doku, die ohne Kommentar oder Hintergrundmusik auskommt. Wenn der reparierte Flipperautomat in die Löwelstraße geliefert wird, scheint die Begeisterung bei Babler fast am Größten. Anders ist das bei den Wahlkampfreden, aber die sind hier nicht wichtig. Meistens sitzt man quasi im Maschinenraum.
Friedls Fokus hat sich beim Drehen geändert: „Ich habe gemerkt, dass ich das ganze Team interessant finde. Es sind überwiegend Frauen, die ihre Botschaften ans Publikum zu bringen versuchen.“ Es sei nie der Wunsch herangetragen worden, irgendein Material nicht zu verwenden. Sogar eine Telefonkonferenz, in der sich Babler sehr skeptisch äußert, wird gezeigt. Friedl fand es „schneidig, dass sie sich auf das einlassen.“
Scharfe Kritik
Die FPÖ kritisierte aber bereits Ende März rund um die Premiere bei der Diagonale in Graz ein „Werbevideo für den SPÖ-Chef“. Die SPÖ greife in den Steuertopf, „um Propaganda zu finanzieren“. Außer Acht gelassen wurde, dass die Fördergelder 2024 vom Österreichischen Filminstitut (ÖFI) bewilligt wurden, als das Kulturministerium noch von den Grünen geführt wurde. 158.000 Euro kamen aus der automatischen Wirtschaftsförderung ÖFI+, 111.722 Euro aus Referenzmitteln, die die Navigator Film aus früheren Filmen lukrieren konnte. Nur die restlichen 68.218 Euro flossen aus der selektiven ÖFI-Förderung. ÖFI-Direktor Roland Teichmann hält dazu fest: „Diese Diskussion ist total legitim, aber es war glaubhaft nie die Intention dieses Projekts, einer politischen …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



