
Rund 5,1 Milliarden Euro will die Regierung mit dem Doppelbudget 2027/2028 einsparen. Auf der Suche nach Sparpotenzial ist man im Gesundheitssystem fündig geworden, im Speziellen bei Kuraufenthalten.
Kuren sollen demnach künftig individueller gestaltet werden, ambulante Behandlungen sollen forciert werden. Das soll im kommenden Jahr Einsparungen von rund 50 Millionen Euro bringen, 2028 weitere 75 Millionen Euro. Details dazu werden aktuell von Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) erarbeitet.
In Österreich gibt es im Wesentlichen drei Modelle. Die klassische Kur: Sie dient der Behandlung chronischer Beschwerden, etwa des Bewegungsapparats oder des Stoffwechsels, und findet meist stationär, etwa in Kurhotels, über mehrere Wochen statt. Im Mittelpunkt stehen ärztlich verordnete Therapien wie Bäder, Massagen oder physikalische Anwendungen. Dieses Modell wird heute nur mehr vergleichsweise selten bewilligt.
Die Gesundheitsvorsorge Aktiv ist ein präventives Angebot und soll Krankheiten sowie längere Krankenstände vermeiden. Sie setzt stark auf Bewegung, Ernährung und Lebensstiländerung und ist klar aktivierend ausgerichtet. Die GVA hat die klassische Kur in vielen Bereichen weitgehend ersetzt.
Die ambulante Rehabilitation wiederum richtet sich an Menschen nach akuten Erkrankungen oder Operationen und erfolgt ohne stationären Aufenthalt. Patientinnen und Patienten absolvieren über mehrere Wochen strukturierte Therapieprogramme und kehren danach nach Hause zurück. Ziel ist die rasche Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Die letzte Säule soll nun massiv ausgebaut werden.
Radlmüller: Stationäre Kur entlastet
Kritik an den Sparplänen äußert der ärztliche Leiter des Kurzentrums in Bad Hofgastein, Rudolf Radlmüller im Ö1-Morgenjournal. Die Ziele der Gesundheitsvorsorge seien es, „dass Menschen länger arbeiten können“, so Radlmüller. „Wenn wir das Alter für den Pensionsantritt erhöhen, dann müssen wir den Menschen auch die Möglichkeit geben, es körperlich und psychisch zu schaffen.“
Was ambulante Therapien neben der Arbeit betrifft, zeigt sich der Experte skeptisch: Diese seien ein „zusätzlicher Belastungsfaktor“. Der Vorteil einer stationären Kur sei, dass die Patienten von den beruflichen und familiären Belastungen „entlastet“ sind „und wirklich Zeit für sich und ihre Gesundheit haben“, so Radlmüller: „Und wir kennen das ja auch aus der Trainingslehre, dass Reiz-Setzen wichtig ist, aber auch die Zeit der Regeneration wichtig ist, um einen positiven Effekt auf die Gesundheit zu bekommen.“
FPÖ: „Kurzsichtig und kontraproduktiv“
Auch die FPÖ kritisiert die Sparpläne der Regierung bei Kuren. Diese seien „kurzsichtig und kontraproduktiv“, bemängelt Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak.
Kaniak sieht die Gefahr, dass „das bewährte Kur-System in Österreich“ einem „radikalen Sparkurs“ unterworfen werde. Insbesondere die Überlegung, stationäre Kuren durch ambulante Behandlungen zu ersetzen, ist für den blauen Gesundheitssprecher ein „reines Sparpaket auf dem Rücken der Patienten und der arbeitenden Bevölkerung“. Überhaupt ortet er einen „Schildbürgerstreich“, will doch die Regierung das Pensionsantrittsalter anheben, streiche aber gleichzeitig Maßnahmen, die es den Menschen ermöglichen sollen, länger gesund und leistungsfähig im Arbeitsprozess zu bleiben.
Gesundheitsministerium beruhigt
Im Gesundheitsministerium kann man die Aufregung nicht nachvollziehen, bleibe es doch eine „medizinische Entscheidung“, ob eine Kur traditionell oder ambulant durchgeführt wird, wie man im Büro der zuständigen Ministerin Korinna Schumann (SPÖ) gegenüber der APA betonte.
Die Individualisierung von Kuraufenthalten habe man schon länger im Blick gehabt, könne diese etwa bei Krebspatienten oder auch in anderen Fällen einen Vorteil bringen. Details müssten nun aber erst einmal erarbeitet werden. Dafür hat das Gesundheitsministerium die Pensionsversicherungsanstalt (PVA), die …read more
Source:: Kurier.at – Politik



