Israel-Boykott beim Song Contest: Ein bisschen Unfrieden

Kultur

Die Proben für den Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle sind bereits in vollem Gang. Doch bekanntlich fehlen heuer fünf Länder in diesem Treiben: Spanien, Irland, Island, Slowenien und die Niederlande haben sich entschieden, aus Protest gegen die Teilnahme Israels keine singenden Gesandten zum Wettbewerb zu schicken.

Anlass ist der israelische Militäreinsatz im Gazastreifen nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Hier herrscht derzeit jedoch Waffenstillstand. Eine Anfrage des KURIER, ob Israels Beteiligung an einem weiteren Krieg – gegen den Iran – eine Neubewertung der Teilnahme am ESC bringt, blieb übrigens von der Europäischen Rundfunkunion EBU seit März unbeantwortet.

Österreich Boykott-Pionier

Es ist eine gewisse Ironie der Geschichte, dass dieser doch massive Einschnitt bei der Show in Wien passiert. Hat doch Österreich die Tradition des Nicht-Antretens aus politischen Gründen eigentlich einst angestoßen. 1969 ließ man den Contest in Madrid aus. Spanien war damals eine Militärdiktatur unter Franco. Freilich wurde der Boykott seinerzeit nicht als solcher kommuniziert. Offizieller Grund war, dass keine geeigneten Interpreten gefunden worden seien. Der Boykott ging auch nicht so weit, dass man die Show nicht im Fernsehen übertragen hätte.

So eine Kompromisslösung haben heuer auch Island und die Niederlande gefunden. Im Unterschied zu Spanien, Slowenien und Irland wird man in diesen Ländern den Song Contest im TV verfolgen können.

Johnny Logan vs. Nicole

Apropos Irland. Der dreifache Song-Contest-Gewinner Johnny Logan unterstützt die Entscheidung seines Landes, sich heuer zurückzuziehen. Das sagte er am Rande der Aufzeichnung des Konzerts „70 Jahre ESC“ mit dem ORF Radio-Symphonieorchester (Sonntag, 21.50 Uhr, ORF 1). Er sei angefragt worden, in Wien aufzutreten, habe aber abgelehnt. Der Sänger beeilte sich freilich hinzuzufügen: „Das ist aber nur meine Meinung. Jeder kann seine eigene Meinung haben. Ich will nicht, dass die Leute sagen, Jonny Logan findet, man soll den Song Contest nicht anschauen. Denn das ist Bullshit.“

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Kampf gegen Buhs

Das Thema hat aber auch bei den Stars früherer ESC-Jahre zwei Seiten. Nicole, die ja mit dem programmatischen Lied „Ein bisschen Frieden“ gewonnen hat, sagte bei derselben Gelegenheit bezugnehmend auf Boykott und Ablehnung israelischer Künstler: „Wenn Musiker ausgestoßen werden, die ihr Leben lang auf diesen Moment hin gearbeitet haben, dann ist das traurig. Kein Mensch kann etwas dafür, wo er geboren wurde. Du wirst für Dinge bestraft, die andere verursachen. Musik verbindet uns alle, und so sollte es auch bleiben.“

Nichtsdestotrotz wird der israelische Kandidat auch bei der Wiener Ausgabe nicht vor Unmutsäußerungen gefeit sein. Diese Woche begann Noam Bettan seine Proben und zu diesen gehört nun seit zwei Jahren, dass das Delegationsteam einen Buh-Sturm simuliert, gegen den angesungen werden muss. Das soll helfen, beim Auftritt nicht aus dem Konzept zu kommen, wenn Schmähtöne aus dem Publikum erklingen sollten.

Antisemitische Motive

Auch heuer meldeten sich im Vorfeld Künstler wie Roger Waters und Peter Gabriel, die die Kampagne „No Music For Genocide“ (Keine Musik für den Genozid) unterstützen, und forderten einen Ausschluss Israels. Wenige Tage später konterte ein offener Brief von Hollywoodstars wie Helen Mirren oder Amy Schumer und Kiss-Mitgründer Gene Simmons, der der oben erwähnten Kampagne subtil Judenfeindlichkeit vorwarf.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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