
Nicht Krieg und Gewalt, sondern Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände und Stürme sind mittlerweile die häufigsten Auslöser dafür, dass Menschen ihr Zuhause verlassen müssen. Das zeigen die Daten aus dem aktuellen Weltmigrationsbericht 2026, den die Internationale Organisation für Migration (IOM) Anfang Mai veröffentlicht hat. Im Jahr 2024 wurden weltweit rund 70 Prozent der neuen Binnenvertreibungen durch Naturkatastrophen ausgelöst. Besonders betroffen waren Regionen in Süd- und Südostasien sowie im Pazifik.
Doch nicht nur plötzlich auftretende Ereignisse treiben Menschen zur Flucht. Auch schleichende klima- und wetterbedingte Veränderungen, wie der steigende Meeresspiegel, Hitze und daraus folgende Dürren, machen den Menschen zu schaffen. Denn sie beeinflussen zentrale Faktoren wie Landwirtschaft, Wasserversorgung, Ernährungssicherheit und öffentliche Gesundheit. Das sei aber kein neues Phänomen, heißt es bei IOM. Man beobachte, dass die Häufigkeit und das Ausmaß dieser Ereignisse zunähmen.
Migration bleibt die Ausnahme
Insgesamt gab es bis Mitte 2024 weltweit schätzungsweise 304 Millionen internationale Migrantinnen und Migranten. Dazu zählen sowohl Vertriebene, als auch Menschen, die aufgrund von schlechten Arbeitsperspektiven, Diskriminierung oder anderen Gründen ihr Land verlassen. So ist Deutschland das Herkunftsland der meisten Ausländer in Österreich. Auf den ersten Blick wirken diese 304 Millionen wie eine große Zahl, die USA hat im Vergleich 349 Millionen Einwohner. Jedoch macht die Anzahl der internationalen Migranten heruntergebrochen 3,7 Prozent der Weltbevölkerung aus. 2020 lag dieser Anteil bei 3,5 Prozent, 2015 bei 3,3 Prozent. Die Zahlen aus dem Report zeigen, dass die absolute Zahl an internationalen Migranten also weiterhin wächst, sich der Gesamtanteil im Laufe der Zeit aber nur allmählich erhöht. Migration sei laut IOM nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel.
Allerdings wurde mit 120 Millionen Vertriebenen 2024 ein Rekordniveau erreicht. Zwei Drittel davon sind Binnenvertriebene – die meisten aufgrund von Naturkatastrophen, aber viele auch aufgrund von Konflikten und Gewalt. Ganz an der Spitze steht hier der Sudan mit 11,6 Millionen Vertriebenen innerhalb der eigenen Landesgrenzen im Jahr 2024. Dies sei bedingt durch den seit 2023 tobenden Bürgerkrieg und der damit zusammenhängenden katastrophalen humanitären Lage im Land. Die Zahl der sudanesischen Flüchtlinge und Asylsuchenden erreichte 2024 2,8 Millionen und stieg damit in einem Jahr um rund eine Million. Die meisten wurden von Nachbarländern aufgenommen. Im Jahr 2024 war der Sudan weltweit das fünftgrößte Herkunftsland von Flüchtlingen.
Eine Zahl, die in dem Report ebenfalls ganz klar gestiegen ist, ist die der auf Migrationsrouten verstorbenen Menschen. Sie hat 2024 mit über 9.000 Fällen den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2014 erreicht. Als gefährlichste Route sei ganz klar die zentrale Mittelmeerroute, die von Nordafrika nach Italien und Malta führt. Bestimmte Wege für reguläre Migration seien weniger geworden und so würden sich die Situationen häufen, in denen Menschen gefährlichere und nicht regulierte Routen nehmen würden.
In Europa gibt es hauptsächlich interregionale Migration
Blickt man auf Europa, kommen die meisten Flüchtlinge (mehr als fünf Millionen) im Jahr 2024 aus der Ukraine und wurden hauptsächlich in Deutschland und Polen aufgenommen. Deutschland, mit insgesamt mehr als 2,7 Millionen Flüchtlingen, nahm nach dem Iran und der Türkei die drittgrößte Zahl von Flüchtlingen weltweit auf. In Europa gehört Österreich mit Blick auf die absoluten Zahlen zu den …read more
Source:: Kurier.at – Politik



