Hauspersonal-Vermittlerin: „Das Segment boomt aktuell“

Wirtschaft

Die Vollzeit-Nanny ab 20 Euro die Stunde, der Haushälter, die Seniorenassistenz oder der Hundesitter ab 18 Euro. Das ist der Mindestlohn des Hauspersonals, das Melanie Schreymayer vermittelt – Überzahlung ist natürlich möglich. Seit Jahresbeginn hat sie sich in Wiener Neustadt mit dem Franchise-Ableger der deutschen Hauspersonal-Agentur Mary Poppins selbstständig gemacht. „Das Segment boomt“, sagt die Unternehmerin. Warum sich immer mehr den Luxus einer privaten Haushaltshilfe leisten und welches Personal das verlässlichste ist, verrät Schreymayer im Gespräch.

Boomendes Segment

Die Mehrgenerationenhaushalte von früher sind eine Seltenheit geworden, sagt Schreymayer: „Die Großelterngeneration hat sich völlig verändert, weil sie häufig Doppelverdiener sind und nach wie vor beruflich aktiv.“ Bei der Kinderbetreuung wären viele auf Einrichtungen angewiesen, doch nicht überall wäre das Angebot ausreichend. „Öffnungszeiten werden verkürzt, Gruppen zusammengelegt, das spielt dem Geschäft irrsinnig in die Karten.“

Der Wunsch und die Notwendigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren, würde steigen. „Das kann ich erfüllen, indem ich mir jemanden ins Haus hole, dem ich vertraue und der mich unterstützt.“ Die bislang gelebte Praxis in Österreich, um den Bedarf zu decken? „Schwarzarbeit“, sagt es Schreymayer ungeschönt. „Es ist mittlerweile ein bisschen zum Gewohnheitsrecht geworden, dass ein Bekannter eine gute Reinigungskraft hat und diese weiterempfiehlt.“ Doch das könne teuer kommen. „Wir haben speziell im privaten Haushalt eine ganz hohe Unfallquote“, sagt sie.

Die Kunden der Agenturbetreiberin gehen lieber auf Nummer sicher. Sie stellen einen Dienstleistungsscheck aus oder das Hauspersonal direkt auf Vollzeit- oder Teilzeitbasis bei sich an. Wie viele wirklich dazu bereit sind? Offenbar einige.

  Vor China-Reise: Trump kaufte massiv Aktien dieser Konzerne

Wer sich das leistet

3.000 Vermittlungen pro Jahr schildert die Agentur Mary Poppins für die gesamte DACH-Region aus. Die Nachfrage scheint zu wachsen, Mary Poppins expandiert. In Österreich gibt es seit 2023 acht Standorte. Für Salzburg, Wels, Linz und Innsbruck werden Unternehmer gesucht, die das Franchise-Konzept weitertragen.

Die größte Nachfrage verbucht Schreymayer am Standort Wiener Neustadt bislang bei der klassischen Haushälterin. 20 Euro die Stunde kostet diese im Schnitt. Macht bei einer 20-Stunden-Woche 1.600 Euro brutto im Monat. Plus Lohnnebenkosten (30 Prozent) sind das 2.080 Euro. Viele leisten sich eine Unterstützung in diesem Ausmaß nicht, aber es kommt vor. Häufiger sind Engagements mit geringerem Stundenausmaß. „Es gibt viele Senioren, die würdig in den eigenen vier Wänden selbstbestimmt bleiben wollen, aber eine leichte Unterstützung im Alltag benötigen.“ Auch der soziale Aspekt würde eine große Rolle spielen. „Manche leisten sich nur die Gesellschaft“, so Schreymayer.

Die Agentur verdient an der Vermittlung – bei Festanstellung des Hauspersonals sind es einmalig zwei Bruttomonatsgehälter, bei Minijobs wird eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 250 Euro und anschließend eine monatliche Gebühr von 59 Euro fällig. In den Kosten enthalten, sind die Suche, die Vorauswahl, die Beratung bei Arbeitsverträgen und der komplette Hintergrundcheck. Die Kunden wollen ja wissen, wen sie sich ins Haus holen – das Personal ebenso.

Die richtigen Kandidaten

„Es passt nicht jeder zusammen“, sagt Schreymayer, die beim Rekrutieren eine Personengruppe besonders ins Auge gefasst hat: Frauen über 50, die einem Unternehmen jahrzehntelang treu waren und sich dann im Zuge von Personaleinsparungen oder Insolvenzen plötzlich neu beruflich orientieren müssen. „Das sind die loyalsten Mitarbeiterinnen.“

  Marionette oder Prügelknabe: Wer ist der neue Fed-Chef Kevin Warsh?

Der Arbeitsmarkt wisse das aber zu wenig …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.