
Multiple Krisen und die hohe Inflation konnten den Umsätzen mit Fairtrade-Produkten in Österreich im vergangenen Jahr wenig anhaben. Insgesamt wurden 796 Mio. Euro mit fair gehandeltem Kakao, Kaffee, Bananen, Rosen, Zucker, Baumwolle und Reis umgesetzt. Das sind fast 13 Prozent mehr als im Jahr davor.
Für heuer rechnet Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner mit deutlichen Preissteigerungen bei Lebensmitteln. Nicht nur bei jenen, die mit dem Fairtrade-Gütesiegel versehen sind: „Das kann wirklich bitter werden“, sagt Kirner zum KURIER. Die geopolitischen Unsicherheiten seien Gift für die Handelsströme.
Massive Probleme
Aktuell gebe es durch die Sperre der Straße von Hormus massive Probleme. Energiepreise sind gestiegen, das wirkt sich auf den Transport und Verpackungsmaterial aus. Auch wird ein Drittel der weltweiten Düngemittel im Nahen Osten produziert. „Die sind derzeit blockiert und fehlen am Markt“, sagt Kirner. Für die Landwirtschaft könne das zu einem großen Problem werden, auch in Österreich. „Die Bauern brauchen den Dünger und sie müssen jetzt schon viel mehr dafür bezahlen“, so Kirner.
Die vielen Krisen haben sich zwar auch im vergangenen Jahr bemerkbar gemacht, Nachhaltigkeit bleibe bei den heimischen Konsumentinnen und Konsumenten aber weiter hoch im Kurs, meint der Fairtrade-Geschäftsführer. Die Organisation vergibt hierzulande das Fairtrade-Gütesiegel und stellt sicher, dass Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen und Umweltschutz eingehalten werden. Produzenten erhalten einen Mindestpreis und eine Fairtrade-Prämie, die in der Regel in soziale und ökologische Projekte fließt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 89,3 Mio. Euro an Produzentenorganisationen durch den Verkauf von Fairtrade-Produkten in Österreich ausgeschüttet.
Anstieg bei Rohstoffpreisen herausfordernd
Der deutliche Anstieg der Rohstoffpreise – bei Kakao haben sie sich fast verfünffacht, bei Kaffee verdoppelt – haben die Kauflust nicht gebremst. Bei Kakao wurde ein Mengenwachstum von 3,7 Prozent verzeichnet. Der Absatz von Fairtrade-Kaffee ging zwar um mehr als 6 Prozent zurück. Das sei aber darauf zurückzuführen, dass ein Partnerunternehmen auf ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm umgestellt habe, so der Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer.
Bestehende Fairtrade-Kaffeemarken haben sich laut Kirner auch im vergangenen Jahr gut entwickelt. Die stärksten Zuwächse gab es bei Rosen (+11,3 Prozent) und Bananen (+6,9 Prozent). In beiden Produktkategorien hält man in Österreich einen Marktanteil von rund 36 Prozent.
Supermärkte Hauptabsatzkanal
Hauptabsatzkanal sind mit einem Anteil von deutlich über 90 Prozent die heimischen Supermärkte. Da sei man auch bei den zuletzt stark gewachsenen Eigenmarken der Handelsketten mit Fairtrade-Produkten gut vertreten, erzählt Kirner. Verkäufe in der Gastronomie und im Fachhandel bewegen sich im kleinen einstelligen Prozentbereich der gesamten Fairtrade-Umsätze.
Bei den bestehenden Warengruppen sieht Kirner durchaus noch Wachstumspotenzial. Hier will man das Angebot vertiefen, an die Einführung neuer Produktgruppen sei vorerst nicht gedacht. Bei höheren Einkommen und Bildungsschichten ist man in Österreich bereits gut verankert. Künftig will man mit Fairtrade-Produkten auch stärker in die „pragmatische Mitte der Gesellschaft“ vordringen, wie Kirner sagt: „Da muss man ein bisschen klarer und nutzenorientierter kommunizieren.“
„Greenwashing-Verbot“ spielt Fairtrade in die Hände
Zusätzliches Wachstum erwartet man sich auch durch die EMPCO-Richtlinie der EU (Empowering Consumers for the Green Transition), die ab September verbindlich angewandt werden muss und Konsumentinnen und Konsumenten besser vor Greenwashing und irreführenden Aussagen schützen soll. Allzu pauschale Aussagen (z.B.: „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“), die nicht belegbar sind, soll es dann nicht mehr geben. „Viele Schmähs, …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



