Werner Kogler: Er läuft und läuft und läuft

Politik

Werner Kogler ist eine Maschine. Stellt man ihm eine Frage, dann brettert er los, zieht weite Kurven um anverwandte Themen; und wenn man schon den Glauben daran verliert, je ans Ziel zu kommen, biegt er punktgenau rückwärts ums Eck aufs Antwortfeld ein. 

So auch, als der KURIER im Café Anzengruber im 4. Bezirk in Wien trifft.

Da geht es um die Energiekrise und „marodierende Landeshauptleute“, die beim Ausbau der Windkraft bremsten. Um die SPÖ, die Sozialabbau hinnehme, weil sie „nicht am Verhandlungstisch sitzt, sondern sich darunter versteckt“. Um Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger, die (obwohl er sie sonst sehr schätzt, wie er betont) von ihm „einen Minuspunkt“ bekomme, weil sie bei der Reformpartnerschaft nicht mehr andrückt. Und um die ÖVP, die versuche, die FPÖ „rechts zu überholen, was nur dazu führt, dass die FPÖ beschleunigt“.

Hörsaal und Wirtshaus

Kogler sagt das als Abgeordneter der Opposition – in seiner neuen alten Rolle. Seit 1999 sitzt er für die Grünen (mit Unterbrechungen) im Nationalrat. Bis zur türkis-rot-pinken Regierungsbildung im März 2025 war er Vizekanzler der türkis-grünen Koalition, danach hat er den Parteivorsitz an Leonore Gewessler abgegeben.

Statt seinem Markenzeichen, einer grünen Plastik-Sonnenbrille, steckt jetzt eine Pilotenbrille mit Goldrand in seinem Haar.

Wie es ihm geht? Mit dem Machtverlust und der vielen zusätzlichen Zeit? 

Erstens: „Besser als der Gegner will.“ Ansonsten winkt er ab – so, als verstehe er die Frage gar nicht.

Er sei immerhin Klubvize neben Sigrid Maurer und Alma Zadić, erklärt er, und aktuell viel in Graz unterwegs, wo am 28. Juni der Gemeinderat gewählt wird (Bild oben). „Ich habe noch immer viele Termine, nur halt andere als früher.“ Die „Last der Entscheidungen“ auf seinen Schultern, die sei weggefallen – das schon. 

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Andere sagen über ihn, dass er für einen Ex-Parteichef, der noch im Klub sitzt, erstaunlich ruhig sei, und seiner Nachfolgerin nicht hineinfunken würde.

Insgesamt wirkt er zufrieden – wohl auch deshalb, weil er seine Versprechen von 2017, als er eilig als Krisen-Parteichef eingespannt wurde, einhalten konnte: Nach der Wahlniederlage und dem Rauswurf aus dem Nationalrat sollte er die Partei wieder aufbauen und für politischen Nachwuchs sorgen. 

So hat er Gewessler 2019 als Quereinsteigerin geholt und dann zur Klimaministerin gemacht. Zadić, spätere Justizministerin, hat er von Peter Pilz’ Liste Jetzt abgeworben. In Oberösterreich wurde Stefan Kaineder 2019 unter Koglers Ägide Landesparteichef.

Nachdem die Grünen in allen Bundesländern aus den Koalitionen geflogen sind (nur im Burgenland regieren sie seit einem Jahr als Mini-Partei neben der SPÖ), verzeichnen Kaineders Grüne in Umfragewerten für die Landtagswahl 2027 zuletzt ein Plus.

Der Alt-Parteichef mag sich aus der ersten Reihe zurückgezogen haben, aber die „Kogler-Doktrin“ gilt weiter. „Wir müssen uns nicht nur im Hörsaal, sondern auch im Wirtshaus verständlich machen“, lautet diese seit 2017, als Kogler feststellte, seine Partei sei „zu abgehoben“ und habe zu wenig Gespür für die Sorgen der Menschen.

Heute merkt der Ex-Vizekanzler wieder selbstkritisch an: „Wir waren in den vergangenen Jahren zu sehr mit Regieren beschäftigt und zu wenig unter Leuten.“ Gewessler und Kaineder touren – so wie Kogler damals – durch die Wirtshäuser. 

Kaineder geht in Sachen Bürgernähe sogar einen Schritt weiter und plakatiert seit dieser …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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