
Sie habe nicht mit einer Freistellung gerechnet und auch nicht damit, dass ihre Anzeige gegen Monika Wagner, Geschäftsführerin der Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft (KuGes), öffentlich werde, sagte die Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, Stephanie Gräve, am Mittwoch der APA. Sie habe durch die Anzeige Rechtssicherheit für sich schaffen wollen. Die Verwendung ihrer elektronischen Unterschrift ohne Rücksprache sei aus ihrer Sicht kein Versehen gewesen.
Gräve wurde am Dienstag per sofort von ihren Aufgaben entbunden, nachdem sie am 10. Mai gegen Wagner Anzeige wegen Urkundenfälschung erstattet hatte. Die „notwendige Vertrauensbasis für eine weitere professionelle Zusammenarbeit“ sei nicht mehr gegeben, hieß es von der KuGes. Wagner soll bei einer Vertragserstellung unerlaubterweise die digitale Unterschrift von Gräve verwendet haben, so der Vorwurf. Claudia Voit, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der KuGes, hatte am Dienstag dazu gesagt, „dass Monika Wagner nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat“ und ihr das ausdrückliche Vertrauen ausgesprochen.
Aus Gräves Sicht kein unterlaufener Fehler
Gräve sieht das anders: Digitale Unterschriften seien nie ohne Rücksprache verwendet worden, außerdem nur bei Zeitdruck und wenn die Inhaberin der Unterschrift nicht erreichbar gewesen sei. All dies habe im vorliegenden Fall nicht zugetroffen, es habe keinen Grund gegeben, ihr den Vertrag nicht zur Unterschrift vorzulegen. Der Vorfall sei für sie in der ohnehin angespannten Situation zwischen ihr und der KuGes verstörend gewesen.
Bei dem Kontrakt ging es um den Dienstvertrag einer Mitarbeiterin, der von Gräve eine Vertragslaufzeit von zwei Jahren zugesagt worden war; in dem ohne ihr Wissen mit ihrer digitalen Unterschrift versehenen Vertrag sei nur von einem Jahr die Rede. Sie sei dadurch als unglaubwürdig dagestanden, so Gräve. Auch bei Rückfragen in Wagners Büro, wann der Vertrag ausgestellt werde, sei ihr gegenüber nicht erwähnt worden, dass er bereits mit ihrer digitalen Unterschrift versehen der Mitarbeiterin ausgehändigt worden sei. Aus Gräves Sicht sei hier nicht versehentlich ein Fehler unterlaufen.
Der Vertrag von Gräve, die das Vorarlberger Landestheater seit 2018 leitet, läuft noch bis 31. Juli 2028. Aktuell sei sie bei vollen Bezügen von ihrer Arbeit als Intendantin freigestellt, sagten Wagner und Voit. Über die weitere Vorgangsweise werde man nach Abschluss des Verfahrens gegen Wagner entscheiden. Wer die Intendanz interimistisch übernehmen soll, stand vorerst noch nicht fest.
Kritik aus Opposition
Kritik an Gräves Freistellung kam aus der Opposition. SPÖ und Grüne forderten eine schnelle und transparente Aufklärung aller Vorwürfe.
„Wenn Frau Gräves Unterschrift ohne ihre Zustimmung verwendet wurde und sie anschließend freigestellt wird, weil sie Anzeige erstattet, wirft das gravierende Fragen auf. Ich fordere Landesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) auf, hier umgehend für vollständige Aufklärung und Klarheit zu sorgen“, so Grünen-Kultursprecher Bernie Weber. Die einseitige Freistellung nur einer beteiligten Person sei nicht nachvollziehbar. Die Situation sei „eine Belastung für den Kulturstandort Vorarlberg, die Kulturszene insgesamt und alle Beschäftigten des Landestheaters im Besonderen“, forderte auch SPÖ-Kultursprecher Reinhold Einwallner rasche Klärung.
Zerrüttetes Verhältnis
Das Verhältnis zwischen Gräve und der KuGes galt spätestens seit März als zerrüttet. Damals wurde bekanntgegeben, dass Gräves Vertrag nicht verlängert werden wird und „ein guter Zeitpunkt für neue Impulse“ gekommen sei. Die 1968 geborene Deutsche hätte bis 2030 weitermachen wollen.
„Uns war bewusst, dass die Entscheidung (im März, Anm.) emotional aufgenommen werden …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



