ORF-Wahl: Die Vor- und Nachteile der Poleposition für Totzauer und Pig

Kultur

Ob die Poleposition in der komplexen, von vielfältigen Interessen beeinflussten ORF-Wahl ein Vorteil ist, ist alles andere als klar. Gerade bei Angelegenheiten, bei denen es nicht allein um das beste Konzept geht, ist der lange Atem, der für einen Start-Ziel-Sieg nötig ist, eine Herausforderung.

Als vor allen anderen gestartete erste Bewerberin für die Leitung des ORF ab 2027 kann Magazinchefin Lisa Totzauer aber jedenfalls viele Dinge als Erste sagen, die wohl auch die Konzepte ihrer Konkurrenten bestimmen werden. Die da wären: Der ORF muss reformiert werden. Er gibt derzeit kein gutes Bild ab. Er wird sich künftig gegen die großen Tech-Riesen wie Google behaupten müssen. Er ist Teil der demokratischen Infrastruktur des Landes. Politische Deals dürfen bei der Kür des nächsten ORF-Chefs keine Rolle spielen.

Ausgemacht

Man wird sich nicht wundern, wenn man dies und Ähnliches in den Konzepten von APA-CEO Clemens Pig, kronehit-Chef Philipp König oder auch Ex-Puls4-Oberreformer Markus Breitenecker wiederfindet (sollten sich die drei, die derzeit auf wichtigen Events präsent sind, bewerben). Totzauer hat das alles und mehr jedenfalls am Mittwoch vor Journalisten gesagt; ihr gesamtes Konzept will sie erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist verteilen.

Ihre Kandidatur kommt vielleicht nicht gänzlich überraschend – sie war auch 2021 im Rennen, als letztlich Roland Weißmann siegte. Sie könnte aber wohl in der ÖVP für neuen Gesprächsstoff sorgen.

Deren Favorit ist, so hört man seit Wochen, Clemens Pig (selbst ein potenzielles Direktoren-Team unter ihm macht unter der Hand die Runde). Auch das ist eine Art Poleposition.

  Wiener Festwochen: Warum die Eröffnung so spät im Fernsehen ist

Die Erfahrung manch anderer Generaldirektorenwahl lehrt aber auch: Es braucht schon viel Partei- und Koalitionsdisziplin, um einen Kandidaten dann am Ende auch über die Ziellinie zu bringen. Vor allem, wenn man diesen schon so früh in der Öffentlichkeit signalisiert: ÖVP-Mediensprecher Nico Marchetti sprach sich jüngst offen für Pig aus.

Nun ist die ORF-Wahl 2026 eine unter noch besondereren Vorzeichen, als die Besetzungen des obersten Stockes am Küniglberg eh immer schon waren: Denn nach den vielfältigen Skandalen ist die Politik extra bemüht, sich von etwaigen Kollateralschäden fernzuhalten. Welcher Partei die gestolperten ORF-Manager bzw. jene, die wegen Skandalen und Gerüchten immer noch stark unter Druck stehen, nahestehen sollen, das würde man gerne nicht breit öffentlich diskutieren.

Was die Aufgabe, einen neuen ORF-Chef durchzubringen, auch nicht leichter macht: Geschlossenes Auftreten wird zumindest in der Debatte vor der Wahl am 11. Juni nicht unbedingt belohnt. Und: Unterstützungssignale einer Partei nützen dem jeweiligen Kandidaten natürlich auch nicht nur (hin und wieder sind bei ORF-Wahlen Kandidaten auf diese Art auch schon absichtlich beschädigt worden, vom politischen Gegner, oder aus den eigenen Reihen).

Und: Lisa Totzauer wird schon seit ihrem Antritt 2021 eine gewisse, von ihr naturgemäß bestrittene Nähe zur ÖVP nachgesagt. Bei der letzten ORF-Wahl bekam sie fünf Stimmen, darunter drei der FPÖ-nahen Stiftungsräte.

Nachdem die Koalitionspartner beim ORF bisher eher noch auf Selbstsuche (und da auch nur auf Direktoren-Ebene) zu sein scheinen, macht dies – ebenso wie etwaige weitere Kandidaturen – natürlich das Potenziel für ÖVP-interne Debatten ein Stückchen weiter auf.

Von innen

Totzauer selbst thematisiert, dass sie einen weiteren öffentlichen Sager aus der ÖVP eigentlich nicht erfüllt: Marchetti sagte auch, dass …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.