Wirtschaft einfach erklärt: Was sich alles im Warenkorb wiederfindet

Wirtschaft

Die Monat für Monat veröffentlichte Inflationsrate hat in vielen Lebensbereichen eine enorme Bedeutung. Der amtliche Wert, der von der Statistik Austria berechnet wird, dient der Anpassung von Mieten, Versicherungsverträgen, Unterhaltszahlungen, Pensionen oder ist Richtschnur bei Lohnverhandlungen.

Im April betrug die Inflationsrate in Österreich 3,4 Prozent. Aufgrund des Irankrieges und der steigenden Energiepreise war dieser Anstieg des Preisniveaus erwartet worden. Wie die Statistiker aber zu genau diesem Wert kommen, ist ein hochkomplexes Unterfangen. Und das Ergebnis ist Gegenstand vieler Debatten. So ist die Inflation seit April 2022 in Summe um 21 Prozent gestiegen, und den gesamten Preisschub („Alles wird teurer“) spüren und diskutieren die Menschen meist viel eher als einzelne Monatswerte.

Wie wird die Inflation konkret berechnet?

Basis ist die alle fünf Jahre stattfindende Konsumerhebung bei 8.000 Haushalten, die 14 Tage lang Buch über ihre Ausgaben führen. Alle Produkte und Dienstleistungen, für die in Österreich mehr als 200 Mio. Euro im Jahr ausgegeben werden, kommen in den Warenkorb. Günstige Produkte, die oft gekauft werden (z. B. Nahrungsmittel), oder teure Produkte, die selten konsumiert werden (z. B. Flugreisen).

In Summe enthält der Warenkorb 776 Produkte mit ihrem jeweiligen Anteil am Gesamtwarenkorb. Beispielsweise hat Diesel ein Gewicht von 1,59 Prozent und Superbenzin ein Gewicht von 1,25 Prozent im Warenkorb. Die Benzinpreise müssen also sehr kräftig steigen, um die Gesamtinflation nach oben zu treiben. Im April ist genau das mit einem Plus von 28 Prozent bei den Benzinpreisen passiert.

Wie oft wird der Warenkorb aktualisiert?

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Alle fünf Jahre auf Basis der neuen Konsumerhebung – in „dringenden“ Fällen aber auch früher, schildert Statistik-Austria-Expertin Michaela Maier. Als zum Beispiel der Boom bei E-Bikes einsetzte, wartete die Statistik nicht fünf Jahre. Für den aktuellen Warenkorb kamen z. B. Sportwetten und Online-Spiele neu hinzu, LED-Spotlampen wurden aussortiert, weil sie weniger nachgefragt werden.

Sind die Daten genau? 

Im Lebensmittelhandel sehr genau, weil die Statistiker hier seit 2022 die Scanner-Daten der großen Supermarktketten nutzen können. Dadurch sind auch alle Rabatt-Aktionen erfasst. In den übrigen Bereichen rücken Monat für Monat rund 80 Beschäftigte der Magistrate und Bezirksämter aus, um in 19 Städten knapp 25.000 verschiedene Preise für die 776 Produkte zu erheben.

Wo sind die Grenzen der Inflationsberechnung? 

Die Inflationsrate ist ein Durchschnittswert, der für niemanden stimmt und doch für alle irgendwo „richtig“ ist: für Ein- oder Mehrpersonenhaushalte, für Menschen mit und ohne Auto, für ausgeh- und weniger ausgehfreudige Personen, Raucher oder Nichtraucher etc. Ein Beispiel: Mieten haben im Warenkorb nur ein Gewicht von rund 5,5 Prozent, weil 50 Prozent der Österreicher im Eigenheim wohnen. Außerdem sind das nur die reinen Mietkosten. Inklusive Betriebskosten, Heiz- oder Stromkosten, beträgt der Wohnkostenanteil rund 18 Prozent des Warenkorbes. Freilich gibt es auch Haushalte, die 30 bis 50 Prozent ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aufwenden müssen.

Gibt es Dinge, die gar nicht erfasst werden?

Ja, etwa der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses gilt als Investition und wird daher nicht erfasst, weil es bei der Inflation um das Konsumverhalten geht. Außerdem werden Einkäufe bei den großen ausländischen Online-Plattformen nicht erfasst. Expertin Maier: „Es ist de facto unmöglich, an die Daten von Amazon oder Temu zu kommen. Es gibt …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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