
Russland ist nach Einschätzung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte nach mehr als vier Jahren Krieg gegen die Ukraine „zunehmend verzweifelt“. Moskaus „Rücksichtslosigkeit“ sei „nicht neu“, sagte Rutte während eines Besuchs in Kiew am Mittwoch angesichts der jüngsten schweren Angriffe auf die Ukraine. „Doch während die Ukraine weiterhin standhaft bleibt, neue Wege beschreitet und auf dem Schlachtfeld Geländegewinne erzielt, ist Russland zunehmend verzweifelt“, ergänzte Rutte.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij betonte, dass die verstärkten Angriffe auf Ziele in Russland Verhandlungen über ein Kriegsende auf Augenhöhe ermöglichten. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Rutte sagte er, dass es für die Ukraine nur eine Frage der Zeit sei, bis man den Umfang solcher Angriffe erhöhe.
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtete, arbeiten derzeit einige der wichtigsten europäischen Ukraine-Verbündeten gemeinsam mit der Regierung in Kiew an Plänen, um Russland in Verhandlungen zur Beendigung des Krieges einzubinden. Vertreter aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien erörtern demnach die Möglichkeit von Gesprächen und tauschen sich darüber mit der ukrainischen Seite aus, hieß es.
Rutte war in der Früh in Kiew angekommen, begleitet von den NATO-Botschaftern der 32 Mitgliedstaaten. Bei einer Pressekonferenz mit Selenskyj verwies der NATO-Generalsekretär auf die hohen Verlustzahlen Russlands und den wachsenden wirtschaftlichen Druck, unter dem das Land stehe. Es gebe jedoch „tragischerweise“ keine Anzeichen dafür, dass Russland mit dem Krieg aufhören werde. „Die jüngsten Angriffe auf Kiew und in der gesamten Ukraine machen dies deutlich.“
Lob für Kiew
Der NATO-Generalsekretär lobte außerdem die jüngsten militärischen Erfolge Kiews. „Die Ukraine ist zunehmend erfolgreich, sowohl an der Front als auch beim Ausschalten einiger der wichtigsten Fähigkeiten und Kapazitäten der Russen“, sagte er.
Einer AFP-Auswertung von Daten des Instituts für Kriegsstudien (ISW) zufolge hat die Ukraine im Mai und April die Kontrolle über mehr Gebiete zurückgewonnen, als sie an Russland verloren hat. Selenskyj drängt die NATO-Länder seit Langem dazu, mehr Luftabwehrsysteme zu liefern, insbesondere Munition für das US-System Patriot.
Rutte sagte dazu am Mittwoch, der Iran-Krieg habe derzeit noch keine Auswirkungen auf die Lagerbestände. „Der Strom an Raketen“ in die Ukraine halte weiterhin an, betonte er.
Selenskij sieht sich wegen Iran-Krieg in der Warteschlange
Selenskij bedauerte das lange Warten auf die Anreise von US-Unterhändlern nach Kiew. „Leider stehen wir heute nicht im Mittelpunkt.“ Für die USA sei der Ende Februar gestartete Iran-Krieg das Thema Nummer eins und die Ukraine komme erst danach. „Bedauerlicherweise stehen wir in der Warteschlange dieser Kriege“, stellte er fest. Dennoch sei er weiter der Meinung, dass die USA die stärkste Kraft seien, um Russland zu einem Ende des Krieges gegen die Ukraine zu bewegen.
Selenskij hatte bereits für Mitte April eine Reise des US-Sondergesandten Steve Witkoff und des Schwiegersohns von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, zu Gesprächen in die Ukraine angekündigt. Die USA versuchen seit Längerem vergeblich, einen Friedensschluss zwischen Moskau und Kiew für ein Ende des seit 2022 währenden Krieges zu vermitteln.
US-Außenminister: Trump nimmt am nächsten NATO-Gipfel teil
Nach Angaben von US-Außenminister Marco Rubio wird US-Präsident Donald Trump am nächsten NATO-Gipfel im Juli in der Türkei teilnehmen. „Ich denke, das nächste Treffen zwischen der NATO und der Türkei im Juli ist wahrscheinlich das …read more
Source:: Kurier.at – Politik



