
„Man kann auch Fernsehen machen, ohne ein Arschloch zu sein“ – „Aber das macht nicht annähernd so viel Spaß!“
In diesem kurzen Wortwechsel aus der zweiten Staffel von „Rivals“ steckt bereits das Wichtigste, was man über die Serie wissen muss: Hier bekriegen sich zwei TV-Sender aus der englischen Provinz auf unterhaltsamste Weise. Es gibt einen Fernsehchef, der sich am liebsten per Hubschrauber fortbewegt, und Awards werden schon mal zu potenziellen Mordwaffen.
Nicht minder essenziell: Irgendwann landen hier gefühlt alle miteinander im Bett. Oder anderswo. Denn „Rivals“, nun in zweiter Staffel auf Disney+ zu sehen, beruht auf dem gleichnamigen Buch der im Herbst 88-jährig verstorbenen Jilly Cooper. Und ihre Bestseller-Romane über das Leben und Lieben der Upper Class sind in Großbritannien auch als sogenannte „bonkbuster“ bekannt – ein Kofferwort aus „blockbuster“ und „bonking“ (engl. Slang für Sex).
Erste Vorstellungen von Sex
Mit dem Label seien die Bücher früher ein wenig kleingeredet worden, sagt Schauspielerin Victoria Smurfit im Zoom-Interview mit dem KURIER. Doch Jilly Coopers „Gespür für Menschen, ihr satirischer Blick, ihr Humor und ihre Fähigkeit, alles aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, machen aus ihren Büchern so viel mehr als nur ,bonkbuster‘. Aber Gott sei Dank hat sie trotzdem genug ,bonking‘ hineingepackt – denn das macht es umso unterhaltsamer“, schmunzelt Smurfit.
Die 52-jährige Irin gibt in der Serie die umtriebige Schauspielerin Maud O’Hara – und ist selbst mit Coopers Romanen aufgewachsen. „Meine ersten Vorstellungen von Sex kamen aus ihren Büchern. Und auch mein erstes Bild davon, wie die Engländer ticken. Wir sind als irische Familie nach Großbritannien gezogen und da waren ihre Bücher sehr hilfreich.“
Die Lektüre war ob des nicht jugendfreien Inhalts jedoch zunächst ein heimliches Vergnügen: „Ich habe gehört, wie sich meine Mutter kaputtgelacht hat, als sie dieses Buch mit dem roten Schuh am Cover gelesen hat. Da dachte ich: Das muss ich ihr klauen“, erinnert sich Smurfit. „Wenn sie es gesucht hat, habe ich getan, als wüsste ich von nichts. Später habe ich es unbemerkt wieder zurück auf ihr Nachtkästchen gelegt.“
Speziell
Vor der ersten Staffel habe es die Sorge gegeben, ob die Tonalität von „Rivals“ beim Publikum ankommen würde. „Denn es ist ein sehr spezieller Tonfall. Es gibt keine andere Serie, die auf dieselbe Weise Freude, Sex und Liebe verknüpft. Und nachdem das Ganze in den 80ern spielt, kommen da natürlich auch Misogynie und Dinge vor, die in der Vergangenheit eine größere Rolle gespielt haben. Wir haben gehofft, dass die Leute verstehen, was wir da tun – und das haben sie.“
Die anfänglichen Bedenken erwiesen sich als unbegründet – die Serie räumte mehrere Preise ab, darunter einen International Emmy. „Rivals“ nimmt sich selbst nicht zu ernst, versammelt ein Ensemble an wunderbar unausstehlichen Charakteren, die sich zwischen TV-Studios und Gartenpartys das Leben schwer machen, und lehnt sich mit großer Freude in die Ästhetik einer vergangenen Ära: Hier kann man das Haarspray förmlich riechen. In der zweiten Staffel geht es in ähnlicher Manier zu – wenngleich diese mit etwas weniger Witz und Verve startet.
Schönling
„Die Serie scheut nicht davor zurück, zu zeigen, was es bedeutete, eine junge Frau in den …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



