Fachkräftemangel: Österreich holt jetzt Personal aus Mexiko

Wirtschaft

Auch wenn der erste große Aufschrei wieder verstummt ist – Österreich gehen weiterhin die Fachkräfte aus. Gegensteuern will man seit einigen Jahren mit Personal aus dem Ausland. Zuerst lag der Fokus auf Osteuropa, doch der Markt ist leergefischt, der Suchradius musste erweitert werden.

Österreich blickte nach Asien und schloss u. a. Fachkräfteabkommen mit den Philippinen und Indonesien. Fast zeitgleich startete der damalige Außenminister Schallenberg 2023 eine Offensive in Indien. Diese scheint nicht ganz gefruchtet zu haben – Inder sind lediglich die viertstärkste Gruppe unter den aktiven 12.411 Rot-Weiß-Rot-Karten-Inhabern. Also liegt der Fokus jetzt ganz woanders – auf Lateinamerika, insbesondere Mexiko.

Mexikanische Fachkräfte: Jung, gut ausgebildet, technisch versiert

Vor knapp sieben Monaten begann die Austrian Business Agency (ABA), gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer in Mexiko mit Aktivitäten für den Jobmarkt in Österreich zu werben. Diese Woche begrüßte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer mexikanische Siegerteams eines Hackathons in Wien und betonte, die Bedeutung Mexikos als „Zukunftspartner“ für Österreich. Doch warum genau Mexiko?

Das erklärt Margit Kreuzhuber, Head of Work in Austria der ABA, dem KURIER. Mexiko wäre ein globaler Player in der Hochtechnologie-Fertigung. Die Demografie ist jung und die akademische Landschaft mit über 2.800 Hochschulen breit. Das entspreche genau dem Suchprofil. Rekrutiert werden primär Fachkräfte mit einschlägiger Berufserfahrung oder einem Uni-Abschluss im Bereich MINT oder Life Sciences wie Biologie oder Medizintechnik. Gewünscht sind Personen zwischen 25 und 40 Jahren, „weil dort die Mobilitätsbereitschaft am größten ist“, erklärt Kreuzhuber. Ziel ist, die Fachkräfte nicht remote für österreichische Unternehmen arbeiten zu lassen (wie das bei Indern häufig praktiziert wird), sondern diese wirklich nach Österreich zu holen und langfristig zu halten, „damit auch die unmittelbare Wertschöpfung hier passiert.“

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Was Österreich im Gegenzug bietet? Eine hohe soziale Sicherheit sowie Work-Life-Balance durch 25 Urlaubstage und einer 40-Stunden-Woche statt der in Mexiko üblichen 48 Stunden. Womit Österreich aber besonders punktet, seien die Rahmenbedingungen für Familienangehörige, so Kreuzhuber. Über die Rot-Weiß-Rot-Karte Plus hätten Familienmitglieder eine Arbeitserlaubnis ab dem ersten Tag. Aufwendig sei der Prozess rund um die Beantragung der Rot-Weiß-Rot-Karte nicht. „Das ist etwas, das mir persönlich leidtut, dass Unternehmen immer noch sagen: Das ist mir zu kompliziert, das tu ich mir nicht an“, sagt Kreuzhuber. Im Idealfall könne man Fachkräfte in der gesetzlichen Frist von acht Wochen von Mexiko nach Österreich holen. Länger dauere es meist nur, wenn Dokumente fehlen.

Wie viele Mexikaner in den vergangenen Monaten bereits ihren Wohnsitz nach Österreich verlagert haben, ließe sich noch nicht beantworten. Laut Arbeitsmarktinformationssystem arbeiten 1.106 unselbstständig beschäftige Mexikaner in Österreich – 2018 waren es noch 547. „Es braucht Zeit“, sagt Kreuzhuber. Es müsse viel Aufklärungsarbeit und Werbung für den Standort betrieben werden, um Effekte zu erzielen. Fraglich ist nur, wie groß diese überhaupt sein können und ob sich dadurch wirklich Lücken am Arbeitsmarkt schließen lassen?

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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