Warum mir Hans Krankl seine Cordoba-Schuhe schenkte

Sport

Ist aus moralischen Gründen eine Reise zur Weltmeisterschaft überhaupt zu rechtfertigen in Anbetracht der politischen Situation im Veranstalterland? Diese Frage wurde schon im Frühjahr 1978 gestellt, als aus Argentinien alarmierende Nachrichten über das brutale Regime der Militärjunta nach Europa durchdrangen. Dass der KURIER die Heimflüge seiner WM-Reporter mit Ende der Vorrunden buchen ließ, hatte allerdings „nur“ einen sportlichen Grund. Man war überzeugt, dass Österreichs Nationalteam die Gruppenphase nicht überstehen würde. Ähnlich dachte der Werbechef eines großen Bankinstituts, das versprach, auf seine Kosten alle Spielerfrauen im Falle eines Aufstiegs nachkommen zu lassen.

Die Bank musste blechen. Denn die österreichischen Außenseiter besiegten in Buenos Aires zunächst Spanien, danach auch Schweden und konnten sich somit in Mar del Plata ein 0:1 im Schongang gegen Brasilien leisten, während die Spielerfrauen schon im Übersee-Jet saßen und alsbald in Moreno auftauchten. In einem von Buenos Aires zweieinhalb Autostunden entfernten Gewerkschaftsheim, das wegen des ÖFB-Teams bewacht war wie Fort Knox.

Permanente Terrorangst

Der Mannschaftsbus fuhr stets andere Wege, aus Angst vor einem Terroranschlag. So stieg vor einem geschlossenen Bahnschranken der Security-Man aus und hieb mit der Axt das Gebälk auseinander. Im Camp krachte es indes wegen der Frauen. Hans Krankl und Co drängten zum Unbehagen von Coach Helmut Senekowitsch auf ein nächtliches Verbleiben ihrer besseren Hälften im Teamquartier. Worauf es die Österreicher nach positiven Schlagzeilen erneut auf Seite 1 internationaler Medien schafften. Denn weibliche Präsenz im Camp galt zu dieser Zeit noch als No-Go. Möglich, dass der Frauen-Zwist für den missglückten ersten Ausflug nach Cordoba Mitgrund war. Ein anderer war zweifellos die Taktik eines Österreichers. Dabei hatte mit Wim Rijsbergen ein niederländischer 74er-Vizeweltmeister Stunden vor dem Anpfiff im Stadion-Inneren zum Krone-Kollegen Charly Pointner und mir gesagt: „Heute gewinnt ihr. Denn Euer Alter spinnt komplett.“

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Euer Alter? Damit hatte Rijsbergen Hollands Teamchef Ernst Happel gemeint, von dem er zum Ersatzmann degradiert worden war. Tatsache war, dass Österreich in ein 1:5-Debakel (Ehrentor Erich Obermayer ) schlitterte und dass wir danach noch eine Nacht in Cordoba bleiben mussten. Denn am Flughafen ging plötzlich das Licht aus. Das Militär vermutete einen Anschlag. Im Dunkeln stolperten wir zurück zu den Bussen. 

Am nächsten Morgen brachte eine Militärmaschine die Mannschaft nach Buenos Aires, während ORF-Legende Gerhard Zimmer und ich mit der einzigen Linienmaschine, deren Pilot trotz Gewittern einen Flug riskiert hatte, bei der Landung in Buenos Aires bis zum Zaun vor der Mündung des Rio de la Plata schlitterte. Weil wir den Horror-Flug unbeschadet überstanden hatten, konnten wir letztlich noch über das WM-Finale (in dem Happels spielerisch gleichwertige Niederländer den Argentiniern nach Verlängerung 1:3 unterlagen) und davor noch ein zweites Mal aus Cordoba berichten.

Starker Wind blies durchs Stadion. Der Rasen war so hart, dass sieben von elf Österreichern nur „Gummler“ statt Schuhe mit Schraubstollen anzogen. Zumal der WM-Abschied ohnehin feststand. Doch dann flogen auch die selbstbewusst gewesenen Deutschen heim.

Prohaskas Tränen

Die (Schaden-)Freude daheim war größer als jene der Mannschaft vor Ort. So weinte Herbert Prohaska , weil ihn Tormann Friedl Koncilia für das zweite Verlusttor (Prohaska …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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