
„Achtung! In Rostow füllen sie kein Benzin mehr in Kanister, das ist verboten“, schreibt Katerina, darunter schreibt Maxim: „Die brennenden Lkw haben sie bereits abgeschleppt, bei Mariupol gibt’s nur mehr Treibstoff für Militärangehörige.“
In der russischen Telegramgruppe „Straße R280“ ist viel los. Hier tauschen sich alle aus, die auf die Krim wollen. Bisher führte der Weg für Militär und Zivilisten über die namensgebende Straße R280, vom Kreml einst voller Pathos „Neurussland“ genannt. Seit Kurzem trägt die Route aber auch den Namen „Straße des Todes“: Ukrainische Drohnen halten sie unter Dauerbeschuss – allein im Mai brannten 200 Lkw dort aus. Seit Ende des Monats ist die Strecke für den zivilen Verkehr komplett gesperrt.
Der Weg zu Putins Prestigeregion Krim ist damit beinahe abgeschnitten. Denn seit 2022 ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen auf der Krimbrücke explodierte, ist auch diese Route für zivile Lkw und Tankwagen gesperrt.
Urlaub an der Front
Putin dürfte das gleich mehrfach schmerzen. Die Krim hat seit ihrer gewaltsamen „Heimholung“ 2014 politische Priorität: Ähnlich wie in Mariupol wurde dort um Millionen Rubel gebaut, investiert, verschönert. Die Halbinsel sollte für Russen vom Festland möglichst attraktiv werden und so dauerhaft „russifiziert“ werden. Der Plan ging auf: Viele Russen kauften Wohnungen, Tausende Feriendomizile entstanden.
Nun hat Putins Urlaubsidyll hat jedoch albtraumhafte Züge angenommen. Zwar gibt es seit 2022 immer wieder Drohnenalarm und Raketeneinschläge auf der Insel, aber eine derartige Belagerung wie jetzt hat die Krim seit Kriegsbeginn nicht erlebt. Auf der Halbinsel wird das Benzin knapp, Touristen stecken fest, dazu kommen teils leere Regale in Supermärkten. Weder Lkw mit Benzin noch jene mit Nahrung kommen durch; seit die Ukrainer am 8. Mai ein Umspannwerk angriffen, steht auch der zivile Zugverkehr teils still.
„Schönen Urlaub!“
Für Moskau ist das mehr als heikel. Selbst kremlnahe Medien berichten ausführlich über die Krise. Branchenvertreter sprechen darin von Buchungseinbrüchen von bis zu 40 Prozent, von den angepeilten acht Millionen Touristen pro Jahr könnte etwa die Hälfte ausbleiben.
Der Unmut über die Lage spiegelt sich auch in den sozialen Medien wider. „Ach, hier auf der Krim ist alles in Ordnung. Benzin gibt’s. Man steht zwar drei Tage lang Schlange, aber dafür kann man danach zwei Stunden wie ein Großstädter herumfahren“, kommentiert User Oleg in der Telegram-Gruppe. Ein anderer Poster schildert, dass bei der Heimfahrt mit dem Auto „ein Flugzeug über unseren Köpfen abgeschossen“ worden sei. Sein Fazit: „Schönen Urlaub!“
Im Kreml bleibt man zu all dem auffallend still. Direkt auf die Treibstoffkrise angesprochen, sagte Putin beim Petersburger Wirtschaftsforum vergangene Woche nur, „manche der Drohnen kommen durch, leider“. Man werde daher mehr in die Luftabwehr investieren. Auch während des Forums hatten ukrainische Drohnen ein Öllager nahe St. Petersburg in Brand gesetzt.
Das Ziel ist Isolation
In Kiew sieht man die Sache naturgemäß anders. Robert Browdi, Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, gab Reuters am Donnerstag sogar ein Interview zu den Fortschritten in Sachen Krim. „Wir werden die Krim schon in naher Zukunft isolieren. Für das Militär und die Rüstungsindustrie wird es extrem schwierig werden, dort zu bleiben“, sagte er.
Das ist eine selbstbewusste Ansage, zumal die Krim das emotionale Herzstück …read more
Source:: Kurier.at – Politik



