Ausgesperrt – und trotzdem weiter auf Tiktok

Politik

Eine halbe Stunde am Smartphone. Mehr brauchte es vor drei Jahren nicht, um das Leben des australischen Teenagers Mac Holdsworth aus der Bahn zu werfen.

Und es nur wenig später auf tragische Weise zu beenden. Der damals 16-jährige Schüler war auf Snapchat und Instagram unterwegs, als die Nachricht einer – wie Mac glaubte – jungen Frau in sein Postfach flatterte. Rasch entwickelte sich ein Gespräch. Die vermeintlich 18-Jährige machte ihm Komplimente, schickte Fotos von sich, auch explizite. Es sollte nicht lange dauern, ehe sie ihn aufforderte, ihr ebenfalls Nacktfotos zu senden. Mac stimmte zu.

Was danach passierte, ist das, was Ermittler „Sextortion“ nennen: Das Handy des Jugendlichen läutete, am anderen Ende der Leitung nicht die erhoffte Stimme seines Onlineschwarms, sondern die eines 47-jährigen Mannes. „Er forderte 500 Dollar. Andernfalls würde er die Fotos veröffentlichen“, erinnert sich Macs Vater Wayne Holdsworth.

Die Familie bezahlte, doch der Erpresser wollte mehr. Wie aus späteren Polizeiprotokollen hervorgeht, sagte der 47-Jährige an einem Punkt sogar: „Wenn du nicht zahlst, werden alle die Fotos sehen, deine Familie wird dich hassen und du wirst dich umbringen wollen.“ Wenig später veröffentlichte der Mann die Fotos.

Macs Familie stand hinter ihm. Doch mit seiner zweiten Aussage sollte der Kriminelle recht behalten. Es war der 24. Oktober 2023, als Wayne Holdsworth seinen toten Sohn in dessen Zimmer fand. „Hilfe zu holen und seiner 14-jährigen Schwester zu erklären, was passiert war, war der schlimmste Moment meines Lebens.“

Wenn Wayne heute zurückdenkt, gab es Anzeichen. Sein Kind habe nach diesem Erlebnis zwar betont, es sei alles in Ordnung, doch der einst selbstbewusste Kapitän der Schul-Football-Mannschaft veränderte sich: „Er machte keinen Sport mehr, zog sich zurück. Mac konnte niemandem mehr vertrauen.“

  Designierter rumänischer Premier gibt Regierungsauftrag zurück

3.000 Fälle in Österreich

2.931 Fälle von Erpressung mit intimen Bildern oder Videos wurden 2024 in Österreich angezeigt, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. „Sextortion“ und vergleichbare Verbrechen sind somit keine fernen Probleme. In Australien hat die Politik reagiert und eines der weltweit strengsten Social-Media-Gesetze für unter 16-Jährige beschlossen. Holdsworth, der sich von seinem Schmerz nicht auffressen lassen wollte, startete eine Initiative zur Suizidprävention und für einen verantwortungsvolleren Umgang mit sozialen Medien. Mit seinem unermüdlichen Einsatz wurde er zu einem der Aushängeschilder auf dem Weg zu diesem Gesetz.

Die international viel beachtete Rechtsvorschrift ist seit einem halben Jahr in Kraft. Sie verpflichtet Plattformen wie Tiktok, Instagram, Facebook oder Youtube, das Alter ihrer Nutzer zu prüfen und Kinder de facto auszusperren. Premierminister Anthony Albanese argumentierte vor allem mit dem Schutz der psychischen Gesundheit Minderjähriger. Verantwortung tragen nicht Kinder oder Eltern, sondern die Plattformen: Ihnen drohen Strafen bis zu 50 Millionen australische Dollar.

Nach Australiens Vorpreschen ziehen Länder in Europa und Asien nach. In Österreich soll Anfang 2027 ein eigenes Social-Media-Gesetz kommen. Details sind noch offen, klar ist aber: Auch hier sollen Plattformbetreiber in die Pflicht genommen werden. „Wir müssen unsere Kinder vor den Algorithmen der Online-Giganten schützen“, hieß es von Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ). Im Fokus des Schutzes stehen in Österreich Kinder, diskutiert wird ein Mindestalter von 14 Jahren. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) kündigte zudem an, dass ein reines Verbot nicht …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.