WM-Neuling Curaçao: Das blaue Wunder aus der Karibik

Sport

Eines ist dem Nationalteam von Curaçao schon vor dieser WM gelungen: Der Neuling hat mit seiner sensationellen WM-Teilnahme einige auf dem falschen Fuß erwischt. 

So erklärte etwa Aleksandar Pavlovic, der Mittelfeldmann vom heutigen Auftaktgegner Deutschland (19 Uhr): „Bei der Auslosung, da kannte ich das Land nicht, das muss ich ehrlich zugeben.“

Curawer? Curawas? Curawie? 

Was und wer steckt nun also hinter Curaçao?

Wie hat es Curaçao erstmals zur WM geschafft? 

Die Antwort heißt: Gianni Infantino. Mit der Aufstockung der WM von 32 auf 48 Teams ist die Endrunde bunter und illustrer geworden. Der willkommene Nebeneffekt: Der FIFA-Präsident sicherte sich damit die Stimmen der kleinen Verbände und also seine Wiederwahl. 

Curaçao setzte sich in der WM-Qualifikation ungeschlagen in einer Gruppe mit Jamaica, Trinidad & Tobago und Bermuda durch.

Warum ist Curaçao gerade in aller Munde?

Weil das C von den berühmten ABC-Insel in der Südkaribik WM-Geschichte geschrieben hat: Kein Teilnehmerland bei einer Endrunde war jemals kleiner und hatte weniger Einwohner als Curaçao. Mit einer Fläche von 444 km2 ist die Insel so groß wie 62.000 Fußballfelder, von den knapp 160.000 Einwohnern leben 125.000 in der Hauptstadt Willemstad.

Was ist Curaçao? 

Offiziell ist die Karibik-Insel ein autonomes Land, gehört aber gleichzeitig zum Königreich der Niederlande und ist damit nicht unabhängig. Das niederländische Erbe zeigt sich bis heute etwa auf Straßenschildern und in der Verwaltung.

Welche Sprache wird in Curaçao gesprochen? 

Die Einheimischen unterhalten sich untereinander in Papiamentu. Das ist ein Kauderwelsch aus Portugiesisch, Spanisch, Niederländisch und Englisch gepaart mit afrikanischen Einflüssen. Der Satz „Deutschland wird nicht Weltmeister“ heißt zum Beispiel in Papiamentu: Alemania lo no ta kampion mundial.

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Wie stark ist das Team? 

Man sollte sich vom aktuellen FIFA-Ranking (Nummer 82) und dem Marktwert des Teams (25,8 Millionen Euro) nicht täuschen lassen. Wo Curaçao draufsteht, ist in Wahrheit viel Oranje drin – die Spieler des WM-Neulings sind allesamt in den Niederlanden groß geworden und entsprechend taktisch und technisch geschult. 

Auf die leichte Schulter sollte man das Team jedenfalls nicht nehmen: Im letzten Jahr fertigte Curaçao den WM-Teilnehmer Haiti mit 5:1 ab und erreichte gegen Gastgeber Kanada ein 1:1.

Wie viel Curaçao steckt in diesem Team? 

Die Bezeichnung Inselkicker passt streng genommen nicht zum Nationalteam. Von den 26 Spielern im WM-Aufgebot ist nur Tahith Chong tatsächlich auch auf Curaçao auf die Welt gekommen. Aber auch er übersiedelte schon in der Kindheit in die Niederlande und durchlief den Nachwuchs von Feyenoord Rotterdam.

Wer ist der Star der Nationalmannschaft?

Eindeutige Antwort: Der Trainer. Dick Advocaat ist ein echter Haudegen, der schon die Niederlande (1994) und Südkorea (2006) zur WM geführt hatte. Nach der gelungenen Qualifikation hatte der erfahrene Coach (Gladbach, Eindhoven, Glasgow Rangers, Fenerbahce, Sunderland) aus privaten Gründen sein Amt zurückgelegt, die Spieler reklamierten ihn aber wenige Wochen vor der WM zurück. Mit 78 Jahren ist Advocaat der älteste Teamchef der WM-Geschichte.

Ist Fußball die Sportart Nummer 1?

Das Nationalteam hat mit der WM-Quali auf der Insel eine riesige Fußball-Euphorie ausgelöst. Doch die heimliche Leidenschaft der Menschen auf Curaçao gilt dem Baseball: Kultstatus genießt Andruw Rudolf Jones, der 17 Saisonen in der Major League Baseball (MLB) spielte. 

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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