„No Scotland, no Party“: Wie in Edinburgh die WM-Nacht zum Tag wurde

Sport

Oft standen Alexander Van der Bellen und König Charles III. vermutlich noch nicht vor derselben Entscheidung. Aber der Fußball ist eben auch auf allerhöchster politischer Ebene der große Gleichmacher. Und so kam es, dass die beiden Staatsoberhäupter die Frage zu beantworten hatten, ob sie ihren Untertanen – Verzeihung! – ihren Bürgern nach erfolgreicher WM-Qualifikation der Fußballauswahlen einen Extra-Feiertag genehmigen.

Charles kam dem Gesuch der schottischen Regierung rasch nach, während Van der Bellen alle Bitten, etwa auch von Teamstürmer Marko Arnautovic höchstpersönlich, höflich ablehnte.

Morgen, Montag, kommen die Schotten in den Genuss dieses zusätzlichen Bank Holiday – und diesen Feiertag können sie gut gebrauchen nach dem emotionalen WM-Auftaktspiel in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Boston gegen Haiti. Der von der Nation erhoffte Sieg gegen den Gruppenaußenseiter gelang zwar, das 1:0 glich über weite Strecken aber einer Nervenschlacht.

Wie Österreich musste auch Schottland 28 Jahre auf eine WM-Teilnahme warten; wie in Österreich scheint auch in Schottland die aktuelle Nationalmannschaft am Zenit ihrer Schaffenskraft angekommen; wie in Österreich ist auch in Schottland die Euphorie vor dieser Weltmeisterschaft groß. Wobei man hier die church in the village lassen muss, wie die Schotten glücklicherweise nie sagen.

Denn was Schottland und seine gerade einmal 5,5 Millionen Bewohner in den Tagen rund um den WM-Auftakt veranstaltet haben, sucht international vermutlich Seinesgleichen.

Mehr als eine Million nachts vor dem Bildschirm

Nach ersten Schätzungen sollen mehr als eine Million Menschen in Schottland beim Anpfiff um 2 Uhr Früh schottischer Zeit vor einem Bildschirm gesessen oder in Pubs gestanden haben. Lokale mussten um Sondergenehmigungen ansuchen, um die strengen Sperrstunden auszudehnen. Jede mittelgroße Stadt lud in Fanzonen mit Liveübertragungen und zur Party bis in die Morgenstunden. Alles indoor versteht sich, denn auch das schönste Sommermärchen fühlt sich in den Highlands eben etwas anders an. 

  Es lebe der US-Sport

An unzähligen Stellen im Land ist dieser Tage die schottische Fahne zu sehen. Die große Kunst der Schotten besteht freilich darin, diesen allumfassenden Nationalstolz fast ganz ohne übertriebenen Patriotismus zur Schau zu stellen.

Am US-Flug ging das Bier aus

Im schottischen Radio und Fernsehen schwelgten Anhänger in stundenlangen Sondersendungen in Erinnerungen an vergangene Endrunden und berichteten von ihren Erlebnissen auf dem Weg an die US-Ostküste zum WM-Turnier (einer Airline ging auf dem Überseeflug das Bier aus). 

Rund 40.000 (!) Schotten haben die Reise nach Boston auf sich genommen, wo die Mannschaft am Freitag gegen Marokko auch ihr zweites Vorrundenspiel bestreiten wird. Den Titel „beste Anhängerschaft der Endrunde“ trägt die „Tartan Army“, wie die schottischen Fans offiziell und sogar markenrechtlich geschützt wegen ihres Karomusters auf der Bekleidung heißen, ohnehin seit der Europameisterschaft 2024. Damals waren zum Auftaktspiel nach München 150.000 Landsleute gepilgert.

„No Scotland, no Party“

„No Scotland, no Party“ lautet das gar nicht mehr so inoffizielle Motto im Weltfußball. Vielleicht auch deshalb, weil der schottische Fußball nicht auf sportlichen Erfolg aufgebaut ist. Der zweitälteste Fußballverband der Welt (nach dem englischen) hat bei einer Endrunde noch nie die Vorrunde überstanden, bei den jüngsten beiden EM-Turnieren ist man jeweils sieglos ausgeschieden.

Der Antrieb der Schotten ist die Hoffnung. Und die gibt es immer. Am Freitag gegen Marokko, erst …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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