Seejungfrau und verliebter Löwe: Märchenhafter Abschluss der Saison

Kultur

Bevor die Wiener Philharmoniker am 19. Juni mit Lorenzo Viotti am Pult ihr Sommernachtskonzert in Schönbrunn bestreiten, überantworteten sie ihm ihr letztes Abonnement-Konzert der Spielzeit im Musikverein.

Das Programm war dramaturgisch klug konzipiert. Ein Werk fügte sich stimmig ins andere. Mit der Orchester-Suite „Les Animaux modèles“ von Francis Poulenc eröffneten sie eine musikalische Reise in eine in jeder Hinsicht märchenhafte musikalische Welt. Für den Komponisten war die Uraufführung während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg ein Akt des Widerstands. Für sein Ballett griff er auf die Fabeln von Jean de La Fontaine, einen urfranzösischen Stoff, zurück und ließ darin auch ein Zitat aus dem Lied „Vous n’aurez pas l’Alsace et la Lorraine“ aus dem deutsch-französischen Krieg einfließen.

Viotti ließ diesen Trotz im Kapitel über einen verliebten Löwen spüren. Akzentuiert formulierte er elegant jedes einzelne Motiv. Sogar zwei Streithähne ließ er kultiviert aufeinandertreffen.

Bei Claude Debussys „Frühling“ (in der Orchesterfassung von Henri Büsser) setzte Viotti auf Klangfarbenpracht. Das war so, als würde ein impressionistisches Gemälde von Monet in schillernde Töne gegossen. Viotti, designierter Generalmusikdirektor der Oper Zürich, übertraf bei diesem Konzert seinen Ruf als einer der spannendsten Dirigenten.

Atemberaubend geriet die Fantasie „Die Seejungfrau“ von Alexander Zemlinsky. Bei der Vertonung von Hans Christian Andersens Märchen über die Nixe, die einem Prinzen ihr Leben opfert, war es, als würde das Orchester eine sich ständig wandelnde Wasserwelt in Musik verzaubern. Furios intonierten die Bläser, virtuos die Flöte, sublim Konzertmeister Rainer Honeck. Ovationen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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