Vor Österreich-Spiel: Letzte Erinnerungen an die Schande von Gijon

Sport

Der Mann, der 1982 Österreichs bis heute letztes Tor gegen Algerien (Endstand: 2:0) erzielt hatte, verzichtet auf ein TV-Live-Erlebnis. 

Hans Krankl gibt Samstagabend noch mit der Band Monti Beton beim „Spettacolo Italo-Americano“ im burgenländischen Bad Sauerbrunn den Ton an, ehe er Sonntag, während im ORF zur Morgenstund’ das Match gezeigt und danach analysiert wird, in seine Zweitheimat nach Jesolo fährt.

1982 besiegte Österreich in Oviedo Algerien 2:0. Und weil davor Chile geschlagen worden war, kam es gegen Deutschland zum Nichtangriffspakt, der auch dem 1:0-Sieger und späteren WM-Finalisten Deutschland zum Aufstieg reichte. Das sei hiermit zum garantiert letzten Mal erwähnt, zumal Krankl zur viel zitierten Schande von Gijon eine allerletzte Wortspende loswerden will, indem er gesteht: „Wär ich in der 88. Minute im Strafraum zum Ball gekommen, dann hätte i den im Kreuzeck versenkt.“ 

Dann hätte er allen Spekulationen zum Trotz die „Marmeladinger“, pardon Konfitüre-Kicker nach EU-Lesart, gern heimgeschickt. So wie ihm das schon in Cordoba 1978 gelungen war. Bloß kam Krankl in Gijon gar nie erst zur Schussgelegenheit. Weil man den Ball in der Etappe in Zeitlupe hin- und herschob.

Zugegeben, als WM-Vorort-Berichterstatter in Gijon empfand ich das gemächliche Treiben aufgrund meiner (erfolglosen) Drittliga-Vergangenheit zunächst als eher normal. Auch weil zu dieser Zeit im Meisterschaftsfinish so manch Mittelständler seinem abstiegsgefährdeten Gegner mit passiver Spielweise zu Punkten verhalf.

Schande von Gijon: Große Empörung

Die Verliererprämie konnte im Amateurbereich höher als die Siegesprämie sein. Doch in Gijon war WM. Und die unsportliche nachbarliche Kooperation zwischen Österreichern und Deutschland bekam allein wegen deren trauriger geschichtlichen Vergangenheit einen besonderen schalen Beigeschmack.

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In ganz Nordafrika, wo man mit Nemsa (= Österreich) bis dahin dank Bruno Kreiskys Politik sympathisiert hatte, war die Empörung groß. Und letztlich auch in Österreich, als ORF-Kommentor Robert Seeger beim kollektiven Fremdschämen sogar von Gijon aus riet, den Fernsehapparat aus Protest auszuschalten.

Beim Public Viewing in Wien wurde damals mein von wohlwollenden Storys über Österreichs WM-Spieler dominiertes Buch öffentlich verbrannt. Zumindest dessen Titel ist noch aktuell: „Immer wieder Österreich.“

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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