140 Jahre Sefra: Die beharrliche Geschäftsstrategie des Traditionsbetriebs

Wirtschaft

Das einzig Konstante im Handel ist der Wandel – diesen Leitsatz hat Christian Seidler von seinem Großvater Karl geerbt. Von seinem Vater Kurt übernahm er das Prinzip: Was man anfängt, macht man auch fertig. Und er selbst gibt den Grundsatz weiter, Chancen nicht vorbeiziehen zu lassen und immer etwas Draufzubauen. „Der persönliche Vorteil ist in einem Familienunternehmen zweitrangig“, ist er überzeugt. „Es geht um das Erhalten, das Weiterkommen und das Weitergeben in eine nächste Generation.“ Seinem Unternehmen ist das bislang gelungen.

Die Marke mit dem Zebra

Vor 140 Jahren begann Christian Seidlers Urgroßvater Adolf gemeinsam mit seinem Bruder und der Familie Franzel, die jedoch bald wieder ausschied, in Wien, Margareten unter dem Namen „Seidler & Franzel“ Wandfarben, Lacke, Tapeten und Grundierungen zu verkaufen – kurz gesagt, alles, was Oberflächen verschönert. Heute sind es 15 Filialen quer durch Österreich. 6.500 Tonnen Farben und Grundierungen pro Jahr werden selbst produziert – am niederösterreichischen Standort Oberwaltersdorf. Mit Krisen hat das Unternehmen gelernt umzugehen. Es überdauerte zwei Weltkriege und die Ölpreiskrise in den 1970ern – eine besondere Zäsur für die Branche damals.

„Öl ist für uns in der Farbenindustrie und -herstellung ein ganz wesentlicher Bestandteil wegen des Binde- und Lösemittels“, erklärt Seidler. „Damals gab es noch weniger wasserverdünnbare Produkte, da waren Lösemittel von noch größerer Bedeutung.“ Wirtschaftlich war das eine große Herausforderung, der sich die dritte Seidler-Generation (Kurt) zu stellen hatte. Es kam zu einem „Neustart mit sportlichem Geist“. Die etablierte Marke „Seidler & Franzel“ wurde verkürzt und hieß ab sofort nur mehr Sefra. Für den modernen Anstrich sorgte ein paar Jahre später das bunte Zebra, das bis heute das Firmenmaskottchen geblieben ist.

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Die fünfte Generation

Auch Christian Seidler hat in seinen vierzig Jahren im Unternehmen schon einige Krisen bewältigen müssen. Aktuell sind es „Umstände höherer Gewalt“, die ihn belasten. Die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten sowie der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der trotz Friedensgesprächen spürbar ist. „Wir haben tatsächlich in der Beschaffung einige Rohstoffe, die aus dieser Region kommen.“ Bei Plastikabdeckfolien oder Bodenabdeckplanen und wieder den Lösemitteln ist die Versorgung eng geworden, berichtet der Firmenchef, was dazu führte, „dass am Weltwirtschaftsmarkt Preise in die Höhe geschraubt und dem Meistbieter abgegeben werden.“ Seidler verfasste deshalb einen offenen Brief an seine Kundschaft, erklärte die Situation und damit verbundene Kostenerhöhungen.

Die Preise wieder runterzuschrauben, sobald sich die Situation entlang der Lieferkette wieder beruhigt hat, ist das langfristige Ziel. „Es ist im eigenen Interesse, das Unternehmen bei den Kunden attraktiv zu halten“, sagt Christian Seidler, der den Sparstift immer zuerst bei sich selbst ansetzt. „In den allermeisten Fällen geht es zum Nachteil meines persönlichen Einkommens. Aber das ist oft so in der Selbstständigkeit.“

Wie das Unternehmen sich für die nächsten 140 Jahre rüstet? „Das müssen Sie meinen Sohn fragen, was er vorhat“, meint Seidler mit einem Augenzwinkern. Denn die fünfte Generation (Rupert), ist längst an Bord und „hat schon viele Ideen“. Soeben eröffnete er eine neue Filiale in Wien, Floridsdorf.

„Was ich bis jetzt beobachte, ist, dass er dieses Unternehmen voranbringen will. Und zwar mit dem Gedanken des Großvaters, dass der Handel …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

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