Agrana-Chef Büttner: „Wir profitieren vom großen Eiweißtrend“

Wirtschaft

Nach Millionenverlusten im Geschäftsjahr 2025/’26 soll es bei der Agrana nun wieder bergauf gehen.

KURIER: Das letzte Geschäftsjahr war eher schwach. Jetzt wollen Sie wieder durchstarten. Wie lief der Beginn des neuen Geschäftsjahres?
Stephan Büttner: Es war nicht so schlecht. Wir können zwar nicht leugnen, dass wir strukturelle Probleme haben, vor allem im Bereich Zucker.  Aber  operativ betrachtet haben wir angesichts der schwierigen Marktlage  ein respektables Ergebnis erwirtschaftet. Wir sind natürlich bei Weitem nicht dort, wo wir hinwollen.  Wir wollen durchstarten, aber das  geht nicht von heute auf morgen.

Sie stecken mitten im Transformationsprozess. Welche Maßnahmen wurden bereits gesetzt?
Wir haben zwei strategische Geschäftsbereiche definiert. Unsere Commodities (Rohstoffe, Anm.), Stärke und Zucker, und unser „Solutions-Geschäft“, wo wir Rezepturen herstellen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Der Commodities-Bereich steht im Fokus der Restrukturierung. Wir haben uns ein umfassendes Kosteneinsparungsprogramm auferlegt, um wettbewerbsfähig zu sein. Zwei Werke für Zucker wurden geschlossen in Leopoldsdorf und Hrušovany (Tschechien, Anm.). Wir haben an unseren Effizienzen in Produktion, Logistik und Energie gearbeitet und Personalkosten reduziert. Durch die Maßnahmen konnten wir bisher Einsparungen von fast 90 Millionen Euro umsetzen.

Was passiert mit dem Werk in Tulln?
Tulln ist unser Flaggschiff im Zuckergeschäft und unsere letzte Zuckerfabrik in Österreich. Dieses Werk muss bleiben. Wir haben eine wettbewerbsfähige Struktur geschaffen und gehen davon aus, dass wir es zukünftig und mittelfristig profitabel betreiben können.

Der Zuckerpreis ist niedrig. Haben Sie Sorge, dass die Bauern irgendwann nicht mehr liefern?
Das ist letzten Endes immer die Konsequenz, dass wir den Rübenanbau verlieren, wenn die Preise nachhaltig zu tief runtergehen. Deswegen müssen wir den Bauern Sicherheit geben durch mehrjährige Verträge und einen Mindestpreis. Theoretisch muss die Rübenanbaufläche in Europa aber zurückgehen, um durch die Angebotsreduktion den Preis wieder in die Höhe zu bringen. Dieses Modell hat in letzter Zeit nicht funktioniert, weil immer mehr zollfreie Importe nach Europa kamen.

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In den Bereichen Frucht und Getränke wachsen Sie. Was tut sich da am Markt?
Wir sind Weltmarktführer im Bereich Fruchtzubereitungen für  Molkereiprodukte und profitieren bei unseren Joghurt- und Getränkelösungen vom großen Eiweißtrend. Der hängt in manchen Regionen – vor allem in den USA – stark mit dem Phänomen der Abnehmspritzen zusammen, weil man durch sie Muskelmasse verliert und eine erhöhte Proteinzufuhr braucht. 

2025 haben Sie die Tochterfirma Austria Juice vollständig übernommen. Was passiert mit ihr?
Die Austria Juice hat zwei Geschäftsbereiche. Den Commodities-Bereich, wo wir aus Obst Fruchtsaftkonzentrate herstellen und diese global vermarkten. Dort müssen wir uns hinsichtlich Rohstoffverfügung gut aufstellen und brauchen Kostenführerschaft. Andererseits haben wir das Geschäft mit Getränkerezepturen und natürlichen Aromen,  das wir mit unserem wachsenden „Food and Beverage Solutions“-Segment (Fruchtzubereitungen etc. für die weiterverarbeitende Industrie, Anm.) verzahnen.

Sie haben im April die Übernahme des slowenischen Lebensmittelherstellers Mercator-Emba abgeschlossen, der im Geschäft mit Fast-Food-Ketten stark ist. Wieso ist das wichtig für Sie?
Das ist ein stark wachsender Markt, der auch sukzessive immer mehr die industrielle Verarbeitung beeinflussen wird. Umso mehr Leute außer Haus konsumieren, desto mehr beeinflusst das das Geschmacksprofil, das sie sich erwarten, wenn sie zu Hause industriell gefertigte Produkte konsumieren. Mercator-Emba bietet uns  einen erweiterten Marktzugang in diesem wachsenden  Bereich, von dem auch weitere Geschäftsbereiche …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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